Gottesdienst am 8. Sonntag nach Trinitatis, 26.07.26

Gottesdienst am achten Sonntag nach Trinitatis, 26. Juli 2026 10:00 Uhr in Grauelsbaum mit Dekan Christian Link und Pfarrerin Ute Braun
Abschied vom Kirchsaal im Alten Schulhaus
Musik
Begrüßung
Seit Ende der 50er hat unsere Gemeinde hier in Grauelsbaum einen eigenen Gottesdienstort gehabt. Seit 1974 war es dieser Raum hier, ein ehemaliges Klassenzimmer, in dem wir Gottesdienst gefeiert haben. Das wurde seit Corona weniger. Heute nehmen wir als Kirchengemeinde von ihm Abschied.
Wir schauen zurück auf das, was war, bringen vor Gott, was uns bewegt, suchen seine Nähe und bitten um Kraft, Segen und Liebe, für das, was kommt.
EG 262,1-4 Sonne der Gerechtigkeit
Votum/Gruß
Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen)
Der Herr sei mit euch (…und mit deinem Geist)
Psalm 121
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels
schläft noch schlummert nicht.
Der Herr behütet dich;
der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit!
(Ehre sei dem Vater)
Gebet
Guter Gott,
viele Jahre warst du hier und bist uns hier begegnet. Und wir dir.
Wir haben gesungen, gebetet, auf dein Wort gehört, Abendmahl gefeiert an diesem Ort.
Danke für alle Nähe, die du schenktest, alle Kraft, die du gegeben hast, für alles, was wir dir sagen und hier lassen konnten.
So lass uns heute nochmal hier deine Nähe spüren, dein Wort hören, und deine Kraft erfahren. Amen
NL 56 Ich sing dir mein Lied
Lesung Prediger 3
1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: 2 Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; 3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; 4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
So hat ein jegliches seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.
Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.
EG 321, 1-3 Nun danket alle Gott
Predigt
1968 arbeitet Pfr. Steger an einem Buch. Oder er schreibt einen Text für ein Buch. Davor hat der Dekan Bühler befragt. In diesen Seiten kommt eine große Leidenschaft für Kirche, Gemeinde, den Ort und die Menschen hier zum Ausdruck.
Er schreibt, dass 1959 „im Rathaus ein schöner Bürgersaal eingerichtet wurde, der dankenswerterweise für Gottesdienst mitbenutzt werden darf. … Seit 1964 wird der Gottesdienst nun regelmäßig alle drei Wochen morgens um halb neun begonnen, da dies den Gemeindegliedern zeitlich angenehmer ist.“
Wir merken: es ist eine andere Zeit. Der Rhythmus auf dem Dorf ist noch ein anderer, als heute. Halb neun. Am Sonntag. Da war man schon lange wach. Heute ginge das nicht mehr.
Die unmittelbare Nachkriegszeit ist vorbei. Auch wenn die Not der älteren Generation noch beschrieben wird. „Die Senioren erzählen noch vom Hunger und der Kälte im ersten Weltkrieg.“ beschreibt er.
Das Wirtschaftswunder hat begonnen. Die Bevölkerung wächst. Der Pillenknick ist noch nicht spürbar.
Ich stelle mir vor: Die Kleidung wird bunter, die Röcke werden kürzer. Die Musik wird anders. Er werden neue Formen von Gemeinde gesucht und gelebt.
Ich stelle mir vor: Die Kleidung wird bunter, die Röcke werden kürzer. Die Musik wird anders. Er werden neue Formen von Gemeinde gesucht und gelebt.
Eine Hauptschule gibt es am Ort, der Pfarrer kommt und macht Reli.
Es gibt ein buntes und vielfältiges Gemeindeleben. Frauenkreise, Kindergruppe, Krippenspiele.
1974 wird der Raum hier angemietet. Er wird renoviert und Gottesdienst gefeiert. Als Pfr. Braun hier 2009 anfängt, ist der Frauenkreis noch da und auch Gottesdienste werden weiterhin hier angeboten. Und dann kommt Corona und danach wird er kaum noch benutzt.
Wir sehen: die Zeiten haben sich gewandelt.
Am Sonntag Morgen ist Kirche nicht mehr das einzige Programm im Dorf. Und drei Programme im Fernsehen und eins erst ab 17 Uhr, das sind langsam auch Erzählungen der Alten.
Wir haben Smartphones, arbeiten mit KI, sind weltweit vernetzt.
Wir haben uns verändert, verändern uns weiter. Nicht nur als Kirche, auch Schule, Verwaltung, Wirtschaft. Glaube spielt nicht mehr so eine selbstverständliche Rolle. Oder anders gesagt: Glaube und Kirche darf sich anders Gehör verschaffen oder spürbar sein in den vielen Stimmen, Ansprüchen, Todos des Lebens. Wir haben immer noch Sehnsucht nach Gemeinschaft und bleiben dennoch zu oft am Smartphone kleben.
Wie geht es weiter?
Ich habe heute einen Vers aus dem Lukasevangelium.
„Wer seine Hand an den Pflug legt und blickt zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ 9,62
Wer einen Acker pflügt und sich umdreht und zurück blickt, der zieht eine krumme Furche. Es braucht aber eine gerade Furche, um Säen und ernten zu können.
Warum sagt Jesus das? Sollen wir nie zurück blicken, dahin, wo wir herkommen? Mißachtet er das, was war? Geht es immer nur um Neues machen?
Zwei Dinge: Die Früchte, die gewachsen sind, sind Vergangenheit. Ich kann die Ernte des vergangenen Jahres nicht zurückholen. Sie ist aufgefuttert oder verarbeitet. Oder untergepflügt, und gibt guten Kompost. Die Kirche der Vergangenheit gibt es nicht mehr. Es gibt auch nicht mehr den Standort Deutschland, wie früher. Das verunsichert. Der Reflex: Wir suchen eine Vergangenheit, die es nicht gibt. Nie gegeben hat. Wir machen zu, werden eng, schotten uns ab. Das erleben wir gerade.
Daher das zweite. Jesus legt nie auf die Vergangenheit fest. Auch wenn man das wunderbar machen kann: Wenn du gut bist und viele gute Tagen hast, dann hast du ein gutes Leben und kommst in den Himmel.
Das stimmt natürlich nicht: Wir werden gerecht aus Glauben durch Gnade. Nicht durch Werke.
Und Gott bietet immer Zukunft an und Liebe, Kraft, und Hoffnung und Reich Gottes. Darum geht es. Er legt nicht auf Vergangenheit fest. Sondern bietet immer Zukunft an.
Und Gott bietet immer Zukunft an und Liebe, Kraft, und Hoffnung und Reich Gottes. Darum geht es. Er legt nicht auf Vergangenheit fest. Sondern bietet immer Zukunft an.
Wir sind als Kirche aufgebrochen und verändern uns. Wir merken: Wir brauchen nicht mehr alle Gebäude. Wir suchen andere Formen von Glauben.
Wir geben Räume auf und wissen noch nicht so genau, wohin. Wir organisieren uns anders. Das ist mühsam, macht unsicher, kostet Kraft. Wir ackern und blicken nach vorne. Wir verändern uns gerade.
Wenn Sie mich fragen, wohin es denn geht und was wir in den Acker säen sollen: Dann sage ich: “Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“
Und auch: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Ich glaube das ist es, was wir brauchen und was der Glaube geben kann. Die Liebe ist die Kraft, die trägt, die Unterschiede aushält, die durch Gott Unmögliches möglich macht. Und die Wege öffnet und frei macht.
Dabei gibt es einen schönen Satz. „Du musst deinen Nächsten nicht mögen, es reicht ihn zu lieben.“
Wir sind gerade nicht immer so gut darin, das spürbar zu machen. Wir glauben aber, dass Gott es erfahrbar macht. Und dass er uns immer wieder Kraft gibt zu säen und zu vertrauen und zu lieben.
Wir verabschieden uns heute, sind dankbar für alles, was hier Gutes geschehen ist und sind sicher, dass hier auch weiterhin Gutes geschehen wird. Gemeinde werden wir weiter sein. Unterwegs mit Gottes Segen. Und Gottes Gegenwart bei den Menschen. Auf der Suche nach dem Reich Gottes.
Amen
.
EG 369,1,2,7 Wer nur den lieben Gott lässt walten
Fürbitten
Du gehst mit uns die Wege unseres Lebens und unserer Gemeinde. So bitten wir dich:
Für alle, die hier Gottesdienst gefeiert haben, die hier gesungen und gebetet haben, die hier gesegnet wurden.
Für alle, die hier ein und ausgegangen sind, die gefeiert, getanzt, gelacht, geweint und gelebt haben.
Für alle, die sich hier engagiert haben, die gerne hier waren, die gute Erinnerungen haben.
Für alle, die hier in diesen Räumen sein werden, die Männer und Frauen hier im Ort. Sie alle segne und schenke ihnen Kraft und Liebe, gute Ideen und lass das, was sie tun segensreich für diesen Ort sein.
Vaterunser
Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
NL 29 Du stellst meine Füße auf weiten Raum
Entwidmung
Wir nehmen nun Abschied von diesem Raum.
Wir nehmen das Kreuz mit. Es ist Zeichen für Christus. Er gibt uns Halt im Leben uns im Sterben.
Wir nehmen die Bibel mit. Sie erzählt uns von Gott, sie ist Richtschnur für unseren Glauben. Sie ist lebendiges Wort Gottes.
Wir löschen die Kerzen und nehmen sie mit. Sie erinnern uns an den Heiligen Geist, der an Pfingsten mit Feuer vom Himmel kommt, an Ostern, wenn wir die Auferstehung von den Toten feiern. Sie machen den Tisch des Herrn feierlich und lebendig. Wir nehmen sie mit als Zeichen für das Licht der Welt.
So nehmen wir Abschied von diesem Raum. Unsere Gottesdienste feiern wir zukünftig in Lichtenau und Scherzheim.
So ist dieser Raum nun nicht mehr Gottesdienstraum, sondern dient der Ortsgemeinschaft Grauelsbaum als Fest- und Versammlungsort in vielerlei Weise.
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir.
Im Namen des Vaters und des Sohnes ….
EG 258 Zieht in Frieden
Abkündigungen
Segen
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
(Amen, Amen, Amen)
Musik
