Predigt aus dem Gottesdienst am Sonntag Invokavit, 22.02.26

 
Gottesdienst am Sonntag Invokavit,  22.02.2026  10:00 Uhr in Scherzheim mit Dekan Christian Link
 
 
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Gottesdienst Scherzheim 22.02.26 um 10:15 Uhr
Johannes 15,5: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Joh 15.5
Liebe Gemeinde,
die Bibel ist voll mit Wein. Für ein Wüstenvolk ist diese Pflanze mit ihrem grün und ihren Früchten etwas besonderes.
Noah pflanzt einen Weinberg und trinkt gleich davon.
Nach der Flut, wenn alles zertört ist, wächst wieder Wein. Zeichen für Fülle und Gottes Gegenwart.
Die Kundschafter bringen Trauben aus dem gelobten Land. Nach Wüstenzeiten die süße Frucht schmecken. Nicht mehr Manna und warmes Wasser, sondern süsse Trauben, In einem Volk, das durch die Wüste wandert, sind die Früchte etwas besonderes: Die Süsse, der Geschmack, der Rausch.
Im Passamahl wird Wein gereicht. Wenn Elia kommt, soll er gleich einen Schluck mittrinken.
Jesus wandelt Wasser zu Wein, damit die Hochzeit gefeiert werden kann. Er predigt von den Arbeitern im Weinberg. Er ist Weinstock.
Jesus ist die Kraft nach der Krise, die Hoffnung auf Zukunft, die Freude im Leben, die Perspektive für ein gelobtes Land.
Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben
Ich habe mir gedacht: Ich bringe heute mal Wein mit.
So ein Wein hat einen besonderen Weg hinter sich. Er wächst, reift, gärt, wird gelagert. Er braucht Sonne und Regen im richtigen Maß. Je nach Boden hat er einen anderen Geschmack.
Ihr seid die Reben… Ihr seid, wie dieser Wein.
Wir alle haben auch unseren Weg hinter uns, seit wir anfingen zu wachsen. Wir haben sonnige Tage, regnerische Tage, wir haben trockene Zeiten überstanden. Wir sind auf Böden gewachsen, die uns Charakter verliehen haben. Wir haben Farbe und Geschmack angenommen.
Was hat Sie geprägt? Was Sie beeinflusst? Welche sonnigen Zeiten haben Ihnen Fülle gegeben? Welche Trockenheit Geschmack? Wo sind Ihre Durstsrecken?
Und wenn wir die Flasche anschauen, sehen wir ein Ettiket: Da steht drauf, was drin ist. Was ist das Ettiket, das man Ihnen aufklebt? Sind Sie ein besonderer Jahrgang? Haben Sie Süsse oder Säure? Oder schmecken Sie erdig? Wer mag Sie besonders gern und sagt: Oh, der ist gut. Wer lässt sie lieber liegen? Wem wollen Sie sich schenken mit Ihrem besonderen Geschmack?
Was passiert, wenn man Sie öffnet? Oder Sie sich öffnen? Strömt dann Glauben, Liebe, Hoffnung? Oder Vertrauen, Zuversicht? Oder Unsicherheit, zarte Sehnsucht?, tastender Zweifel? Freude?
Schmecken Sie eher süss oder trocken? Muss man Sie erst entdecken oder zeigen Sie sich gleich.
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, bringt viel Frucht.“ Jesus redet von Weinstöcken und Reben, weil sie stark sind, so starke Symbole. Weinstöcke haben starke Wurzeln. Sie reichen tief.
Unsere Glaubenswurzeln gehen weit und tief. Uns prägt unser ganzen Leben unser Glaube, wir haben ein 2000 Jahre altes Buch und darin
stehen Geschichten, die bis zum Beginn der Welt reichen. So tiefe Erfahrungen
Was würden Sie saugen heute? Was brauchen Sie ganz dringend?
Nähe, Segen, Weite, Vergebung, Zuversicht, Klarheit? Was soll der Weinstock Ihnen heute Morgen geben aus seiner Wurzel?
Nun haben Sie Kraft vom Weinstock. Und Sie spüren, wie Sie gefüllt werden.
Allein können Sie aber nichts tun. Es braucht den Weinstock, um um zum Wein zu werden. Die Reben brauchen Halt. Eine einzelne Rebe kann keine Frucht bringen. Sie können ohne Verbindung nicht existieren. Jesus sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“
Das klingt erstmal enttäuschend. Wir können doch viel! Wir können arbeiten, entscheiden, reden, planen, managen, organisieren, sein.
Jesus sagt aber: Wenn Ihr aus der Fülle handeln wollt, dann belbit bei mir. Ohne diese innere Quelle – ohne Gott – werden wir irgendwann trocken. Schlapp. Zweifelnd. Müde. Wie eine Rebe, die nicht mehr am Weinstock ist:
Dieser Wein hier ist nicht entstanden, weil eine Rebe besonders beeindruckend war. Keine Rebe sagt: „Ich habe alles selbst gemacht.“ Dieser Wein ist entstanden, weil er in Verbindung geblieben ist. Das ist der Geschmack von Verbundenheit. Von Geduld. Von Gemeinschaft.
Das ist die Frage für den Alltag: Bin ich am Weinstock in dem, was ich tue. Oder verdorre ich?
Und wenn ich mich trocken fühle, schlapp, kann ich fragen: Was brauche ich?
Zurück zum Weinstock, zum dem, was mich nährt?
Da kann es gut sein, dass es eine Schere braucht. Was muss ich abschneiden?
Meinen Kalender ausmisten und Freiräume für Wachsen zulassen. Das kann sein: Mich neu aufstellen.
Mit wem will ich Leben teilen? Mit wem Liebe leben? Wo ist Frucht bringen möglich? Woran will ich bleiben?
Das betrifft uns auch als Kirche. Nicht alles, was gewachsen ist bringt heute noch Frucht. Manches wird gerade neu zugeschnitten, damit es wieder austreibt.
Wer einmal im Weinberg zugeschaut hat, wie geschnitten wird, denkt beim ersten Mal: Da bleibt ja nichts übrig! Und doch entsteht aus genau diesem Rückschnitt neuer, stärkerer Wuchs.
Das kann weh tun, doch merken wir auch: Da entsteht etwas Neues. Mehr Frucht, als wir vorher hatten.
Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben
Liebe Gemeinde, wenn Sie heute nach Hause gehen
Der Weinstock trägt uns – nicht umgekehrt. Jesus sagt „Bleib bei mir. Ich sorge für den Rest.“ Durch mich bringt ihr Frucht.
Amen