Gottesdienst am Vierten Advent, 21.12.25

 
Gottesdienst am Vierten Advent,  21.12.2025  10:00 Uhr in Scherzheim mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich
 
 
Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch  ausdrucken und weitergeben. Bitte nutzen Sie dafür die Druckfunktion Ihres Browsers.)
 
Praeludium
 
Ihnen allen, liebe Gemeinde, einen guten Morgen!
Ja, nun ist es bald wieder so weit, dass wir die Geburt unseres Herrn und Heilandes feiern dürfen! Ich hoffe, Sie können sich auf diesen festlichen Höhepunkt am Ende eines jeden Jahres vorbereiten und freuen! Freuen, weil Gott in seinem Sohn auf diese Erde gekommen ist; weil Gott in Jesus Christus ein eindeutiges Ja zu uns allen gesprochen hat! Die Frage steht allerdings im Raum, ob wir zu unserem göttlichen Vater ebenso ein klares, eindeutiges Ja sprechen können. Ich hoffe es für uns alle. Und zugleich hoffe ich, dass dieser Gottesdienst mit dazu beiträgt, unser Ja zu Gott zu festigen!
So begrüße ich Sie alle ganz herzlich und wünsche uns allen einen gesegneten Gottesdienst heute am 4. Advent!
 
Lied:  19, 1-3           O komm, o komm
 
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.  Amen.
 
Der Herr sei mit Euch!       Und mit deinem Geiste!
 
Wechselpsalm: 949 (NG) Ehre sei dem
 
Wir wollen beten:
In diesen Tagen bist du uns nahe, Herr.
Zu dir kommen wir mit unserer Freude, aber auch mit unserer Freudlosigkeit.
Zu dir kommen wir mit unserem Dank, aber auch mit unserem Undank.
Zu dir kommen wir mit unserer Erwartung, aber auch mit unserer Verdrossenheit.
Zu dir kommen wir mit unserem schwankenden Glauben, aber auch mit unserer Glaubensgewissheit.
Du bist uns nahe. Dich brauchen wir - heute und wenn wir wie jetzt auf das Christfest zugehen und an allen weiteren Tagen.
Bekräftige dein Ja, das du über jeden von uns gesprochen hast und stärke uns im Glauben und im Gottvertrauen!
So rufen wir zu dir: (Herr, erbarme dich!)         (Kyrie)
 
Gott hat sich unser erbarmt, wie wir aus dem 2. Korinther hören, wo Gott spricht: Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen; siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist der Tag des Heils. (Ehre sei Gott in der Höhe!)  (Gloria)
 
Lied:  9, 1+6 Nun jauchzet, all ihr
 
Herr, unser Gott, du wartest nicht, bis wir dich gefunden haben. Du kommst selbst zu uns. Führe uns in diesen Tagen aus der Hetze und Unruhe in die Stille; aus der Oberflächlichkeit in die Andacht; aus dem Klagen und Trauern in die Freude; aus unserer Glaubensschwäche in die Glaubens-gewissheit!
Dir sei Ehre - heute und in Ewigkeit:            Amen.
 
Nach der Ankündigung, dass Maria den Sohn Gottes zur Welt bringen werde, willigte Maria in diesen Plan Gottes ein und sprach folgenden Lobgesang:
 
Schriftlesung: Lukas 1, 46-55
 
Mein Herz dichtet ein feines Lied,
Einem König will ich es singen!  Halleluja!
 
Glaubensbekenntnis
 
Lied:  71, 1+3+6     O König aller Ehren
 
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herren Jesus Christus. Amen.
 
Besonders die Kinder freuen sich wochenlang auf Weihnachten. Viele Erwachsene sind eher bezüglich aller Vorbereitungen auf das Fest am Jahresausklang gestresst. Und wie schnell sind dann diese 2 1/2 Festtage vorbei! Gibt es einen Grund dafür, die Weihnachtsfreude etwas anzuhalten, also zu verlängern? Auf diese Frage gibt der für heute vorgesehene Predigttext eine klare Antwort. Hören wir aus 2. Korinther 1, 18-22:
 
„Gott aber ist treu und bürgt dafür, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn der Sohn Gottes, Christus Jesus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist - durch mich und Silvanus und Thimotheus - war nicht Ja und Nein, sondern in ihm ist ein Ja geschehen. Auch wenn es viele Verheißungen Gottes gibt, so ist in ihm - in Christus Jesus - das Ja, und darum durch ihn auch das Amen, Gott zur Ehre durch uns! Der uns aber mit euch befestigt in Christus und uns gesalbt hat, ist Gott, der uns auch versiegelt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben hat. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“.
 
Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige und segne unser Hören durch deinen Hl. Geist. Amen.
 
Liebe Gemeinde!
 
Unsere Rede soll eindeutig sein, nicht Ja und Nein zugleich! Das fällt uns oft schwer. Denn längst nicht immer können wir uns klipp und klar für oder gegen eine Sache entscheiden. Wir flüchten uns dann in Ausreden bzw. In Redewendungen wie: „Vielleicht“. „Ich weiß nicht so recht“. Ich habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht“. „Ich muss noch einmal darüber schlafen“. „Das geht mir zu schnell“. „Ich fühle mich überfahren“. „Ich bin noch nicht so weit“. - - Wenn es das Wort „Jain“ gäbe, dann wäre dies wohl das mit am meisten benutzte Wort zwischen uns. Doch gerade dieses nicht eindeutige Wort „Jain“ lehnt unser heutiger Text entschieden ab. Wir sollen ein ehrliches, eindeutiges Ja bzw. Ein ehrliches Nein sagen, ohne dass z.B. aus unserem Ja später doch noch ein Nein wird. - Paulus, der Verfasser des 2. Korinther, der diese Eindeutigkeit von uns fordert, weiß - davon bin ich überzeugt -, dass er uns damit überfordert, total überfordert.
 
Denn als Menschen können wir uns nicht immer so eindeutig festlegen - weder im privaten noch im öffentlichen Bereich. Einige kurze Beispiele: Sollen wir im Ukrainekrieg Waffen liefern oder auf diplomatische Verhandlungen setzen? Sollen wir die Industrie und die Wirtschaft stärken oder uns für  nachhaltigen Umweltschutz stark machen? Sollen wir versuchen, uns mit einer Notlüge aus einer Misslichkeit heraus zu lügen oder klipp und klar die Wahrheit bevorzugen? Sollen wir in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen auf Kompromisse eingehen oder einen anderen mit unseren Argumenten „erschlagen“, oder zumindest in die Ecke drängen? - Oft genug wählen wir ein schwammiges Jain; einen Zwischenweg als Kompromiss, als eine vorläufige Lösung. Ähnlich wie manche im Bezug auf ihren Glauben sich mit dem Argument heraus winden: „Ein bisschen Glauben kann ja nicht schaden“.
 
Bei Gott ist dies anders. Unser Bibelabschnitt sagt deutlich, dass Gott sich uns Menschen gegenüber festgelegt hat: Gott hat Ja gesagt: Eindeutig, bedingungslos, unumkehrbar. Ein Ja, das für unsere irdische Lebenszeit und zugleich in der Ewigkeit gilt!
 
Vielleicht denken Sie: Was ist daran so neu und so wichtig? Wird uns nicht das ganze Jahr über verkündigt, dass Gott uns unsere Sünden vergibt; dass er in Jesus Christus unsere Schuld gestrichen hat? Was ist daran so neu? Was ist daran so besonders?
 
Dass Gott Ja zu uns sagt, das ist für mich überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Denn es gibt keinen fehlerfreien, keinen vollkommenen Menschen! Es gibt keinen Menschen, der stets nach dem Willen Gottes fragen und entscheiden kann! Es gibt keinen Menschen, der alle Gebote Gottes halten kann! - Wenn Gott mit allem, was wir reden und tun, einverstanden sein könnte, dann wäre diese heutige Aufforderung überflüssig. Aber - gewollt oder ungewollt - werden wir alle alle Tage zu Sündern: (Beispiele): Wenn wir uns - gleichgültig in welcher Beziehung wir zu einem anderen Menschen stehen - einen Vorteil erschleichen. Wenn wir einen anderen Menschen schlecht reden, ihn aus irgendeinem fragwürdigen Grunde meiden. Wenn wir ihn unsere Macht und Überlegenheit spüren lassen. Wenn wir uns an der Schöpfung Gottes (der Erde, den Pflanzen, denn Tieren) vergreifen. Wenn wir von Gott weglaufen und ihn aus unserem Leben am liebsten streichen möchten. Wenn wir seine Gottesdienste nur widerwillig und pflichtgemäß besuchen. (Usw.) - Dennoch sagt Gott Ja zu uns! Bedingungslos! Kein Ja zu unserer Sünde! Kein Ja zu unserer Unmenschlichkeit. Kein Ja zu unserer Rückfälligkeit! - Aber ein grundsätzliches Ja, klipp und klar, weil er uns dennoch liebt! Weil er uns dennoch in seine Arme nimmt! Weil er dennoch zu uns hält wie ein Hirte zu seinen Schafen! Weil er in Jesus Christus unser Heiland ist und bleibt! - Ein Ja, das er jedem einzelnen von uns zugesprochen hat in unserer Taufe! Ein Ja, das er niemals zurücknimmt! Ein Ja, das für unser Leben und über dieses irdische Leben hinaus gilt!
 
Ist das kein Grund zu wahrer und tiefer und lang anhaltender Freude?! - Wir können uns auf unseren göttlichen Vater verlassen, wie die Heilige Schrift immer wieder betont! Und das hat weitreichende Folgen. Denn jetzt müssen wir nicht mehr um Anerkennung bei unseren Mitmenschen um jeden Preis kämpfen. Auch nicht mehr um Anerkennung bei unserem göttlichen Vater. Denn Gott hat uns bereits seine grundsätzliche Anerkennung und Zuwendung zugesprochen. Zugesprochen in Jesus Christus, der um unsertwillen den Tod am Kreuz auf sich genommen hat; der uns als Kinder Gottes eingetaucht hat in eine nie vergehende Gemeinschaft mit ihm. Ist das kein Grund zu wahrer und tiefer und ewiger Freude?!
 
Die Zusage Gottes gilt auch dann, wenn es uns ganz schlecht geht: wenn wir z.B. in einer finanziellen, in einer beruflichen, in einer gesundheitlichen, in einer ganz persönlichen Krise stecken. Dann wenden sich viele Menschen von uns ab und denken: Der kann nicht mehr mithalten; also wollen wir mit ihm nichts mehr zu tun haben. So ist es bei Gott nicht! Er bleibt bei seinem Ja zu uns, wie er es in seinem Sohn bezeugt, wenn er ausruft: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken!“ Oder: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“ - Das ist und bleibt die Devise Gottes, weil er in seinem Ja zu uns treu ist und treu bleibt!
 
Wir alle durchleben, durchleiden in unserem Leben verschiedene Zeiten: Höhen und Tiefen. Auch solche Zeiten, in denen wir uns von Gott total abwenden, in denen wir Nein zu Gott sagen und dieses Nein womöglich durch einen Kirchenaustritt bekräftigen. Selbst dann lässt Gott seinen Arm ausgestreckt! Selbst dann können und dürfen wir seine Hand wieder ergreifen! Selbst dann bleibt seine Tür offen. Zu jeder Zeit dürfen wir bei ihm anklopfen: ob formal durch einen Wiedereintritt in die Kirche; ob ganz persönlich durch unsere Gebete und Gespräche mit Gott; ob irgendwann im Laufe des Jahres oder eben in dieser Vorbereitungszeit des Advent!
 
Wieso können wir uns da so sicher sein über dieses Ja Gottes? Das hatte ich vorhin schon kurz angesprochen. Doch ich möchte es jetzt noch einmal unterstreichen und bekräftigen: Am Ende des Matthäusevangeliums finden wir die Zusage Gottes: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Dieses Versprechen Gottes - in Jesus Christus gesprochen - ist ein Teil des Taufversprechens Jesu: Wenn wir bei unserer Taufe auf den Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft werden, dann nimmt Gott uns als seine Kinder an. Wir erhalten einen neuen Namen, nämlich seinen göttlichen Namen. So sind wir durch die Taufe nun nicht mehr irgendwer, sondern Gottes Kinder! Und als seine Kinder sind wir (wie alle Kinder) erbberechtigt: Berechtigt, die ewige Verbindung zu Gott zu erben; etwas, was auch der Tod nicht auslöschen kann! Dieses Ja Gottes wurde jedem von uns in der Taufe zugesprochen! Damit hat Gott sich festgelegt!
 
Gottes Ja zu uns ist kein Jain und auch kein Vielleicht; ist kein leichtfertiger Treueschwur, der gebrochen werden könnte; Gottes Ja knüpft auch nicht an Bedingungen und religiöse Gesetze an, die wir noch erfüllen müssten. Natürlich weiß Gott um unsere Schwachheit und Rückfälligkeit, weiß Gott um unsere Fehler und Untreue. Dennoch wendet er sich nicht von einem auf seinen göttlichen Namen getauften Menschen ab!
 
Natürlich wäre es schön, wenn wir Gott gegenüber ebenso treu sein könnten; wenn wir in das Ja, das Gott zu uns gesprochen hat, einstimmen könnten! Einstimmen könnten mit unserem Amen. Amen, ja so sei es! So soll es gelten! So soll es auch von uns aus sein und bleiben! Nicht nur beispielsweise gesprochen bei unserer Konfirmation oder bei anderen Festlichkeiten oder wenn wir in einer tiefen Lebenskrise stecken oder uns in einem Glaubenshoch befinden. Vielmehr: Ein Ja der Treue! Ein Ja für alle Zeit! Weil wir als Kinder Gottes zu ihm gehören möchten: Zu dem, dessen Geburtstag wir in wenigen Tagen feiern, weil Gott in ihm als Mensch zu uns Menschen gekommen ist, um ein menschliches Ja zu uns zu sprechen. So lasst uns in Treue zu Gott auch unser Ja bekennen: Ja, so sei es - heute und morgen und alle Zeit! Amen.
 
Lied:  8, 1-6 (NG)     Bist zu uns wie
 
(Fürbitte?)
 
Lasst uns beten:
Herr, unser Gott! Wir danken dir für das Ja, das du in deinem Sohn über jeden von uns gesprochen hast! Damit verwandelst du unsere Trauer in Freude, unser oft kaltes Herz in die Glut deiner Liebe; unsere Glaubensmüdigkeit in Glaubenstreue. Denn du hast uns in deinem Sohn aus dem Land des Elends, der Schuld und des Todes herausgeführt und zeigst uns das Land des Lebens. Du stößt - wie Maria es besingt - die Mächtigen von ihrem Thron und erhebst die Niedrigen. Du verwirrst die Stolzen, die Hungrigen speisest du, und die Geizigen lässt du leer ausgehen. Dein Ja ist ein großes Geschenk für uns. Denn es macht unser Herz weit und bringt unseren Mund zum Leben und Loben.
Herr, wir bitten dich für die, denen besonders durch Krieg und rohe Gewalt, durch Ungerechtigkeit und Vertreibung die Lebensfreude vergangen ist. Ihre tagtäglichen Sorgen erdrücken sie; ihre Suche nach Menschlichkeit und Würde ermüdet und verbittert sie. Wecke in ihnen und auch in uns allen den Geist deiner Liebe; lass Mut und Hoffnung keimen und wachsen. Lass einen jeden Menschen spüren und wissen, dass du dein grundsätzliches Ja auch über ihn  gesprochen hast!
Herr des Lebens, im Vertrauen und in der Bejahung auf dich, auf deine Barmherzigkeit und Treue gehen wir jetzt auf das Geburtsfest deines Sohnes zu und auf alle weiteren Tage unseres Lebens. Denn in dem Kind in der Krippe, später in dem Mann am Kreuz und unserem auferstandenen Heiland ist dein Ja gesprochen: gesprochen für alle Menschen zu allen Zeiten. Amen.
 
Und miteinander und füreinander beten wir, wie Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat:
Vater unser im Himmel…
 
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite Euch:
Er erfülle Eure Herzen; er regiere Eure Gedanken; er bestimme Euer Tun. Amen.
 
Lied:   16, 2-4 Dem alle Engel dienen
 
Bekanntmachungen
 
Segen
 
3fache Amen
 
Postludium