Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, 23.11.25 in Lichtenau

 
Gottesdienst am Ewigkeitssonntag,  23.11.2025  10:00 Uhr in Lichtenau mit Pfarrerin Ute Braun
 
 
Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch  ausdrucken und weitergeben. Bitte nutzen Sie dafür die Druckfunktion Ihres Browsers.)
 
Trachtenkapelle: Andrè Waignein, Air for winds
 
Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.)
Gruß: Der Herr sei mit euch (...und mit deinem Geist.)
 
Eingangslied: Meine Zeit steht in deinen Händen (EG 644,1-3)
 
Psalm: Ps 126 in moderner Fassung (NL 962.2)
Als der Ewige Zions Geschick wendete,
war es, als träumten wir:
Da füllte Lachen unseren Mund
und Jubel unsere Zunge.
Da sagten sie unter den Nationen:
Großes hat der Ewige an ihnen getan.
Großes hat der Ewige an uns getan,
wir sind es, die sich freuen!
Wende, Ewiger, unser Geschick,
wie du Flüsse im Negeb wiederbringst.
Die mit Tränen säen –
mit Jubel werden sie ernten.
Da gehen sie, sie gehen und weinen
und tragen den Beutel zum Säen.
Da kommen sie, kommen mit Jubel
und tragen ihre Garben.
Ehre sei dem Vater...
 
Eingangsgebet:
Gott, du gibst Leben,
hältst unsere Zeit in deinen Händen.
In deiner Ewigkeit ist alles aufgehoben:
Das Schöne und das Schwere,
die Nacht und der Morgen, die Tränen und die Freude.
Wir bitten dich: Schenke Geduld im Warten,
Träume, die trösten
und Hoffnung auf deine Verheißung.
Mit allen, die glauben, warten wir auf deinen neuen Himmel und deine neue Erde, wo es kein Leid und keine Tränen mehr gibt. Durch Jesus Christus, unseren Herrn und den Heiligen Geist.
(Amen)
 
Lesung: Offb 21,1-5 (BasisBibel):
1Dann sah ich einen neuen Himmel
und eine neue Erde.
Denn der erste Himmel und die erste Erde
sind vergangen,
und das Meer ist nicht mehr da.
2Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem.
Sie kam von Gott aus dem Himmel herab –
für die Hochzeit bereit wie eine Braut,
die sich für ihren Mann geschmückt hat.
3Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen:
»Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen!
Er wird bei ihnen wohnen,
und sie werden seine Völker sein.
Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.
4Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen.
Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben,
kein Klagegeschrei und keinen Schmerz.
Denn was früher war, ist vergangen.«
5Der auf dem Thron saß, sagte:
»Ich mache alles neu.«
 
Lied: Herr, deine Liebe (EG 653,1-4)
 
PREDIGT zu Psalm 147,3 + Kintsugi
Heute am Ewigkeitssonntag werden wir mit unserer Vergänglichkeit konfrontiert.
Wir erinnern uns an Menschen, die wir verloren haben. In diesem Jahr – oder auch schon lange vorher.
Das Leben mit ihnen und ihr Verlust hat Spuren in uns hinterlassen.
Auf manches schauen wir mit einem Lächeln zurück. Da gibt es schöne Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes. Wir haben voneinander gelernt und das Gelernte bleibt kostbar in unserem Wissensschatz. Wir haben Liebe erfahren und gegeben – und das ist so wertvoll, dass es uns weiterträgt und erfüllt – auch noch nach einem Abschied.
Vielleicht ist aber auch Erschöpfung da, weil wir den anderen durch eine lange Krankheit begleitet haben. Oder der Schock sitzt uns noch in unseren Gliedern, weil der Tod so plötzlich und unvermittelt traf, dass wir es immer noch nicht recht fassen können.
Wir verspüren Trauer, über den verlorenen Menschen, über verpasste Gelegenheiten, Ungesagtes, das nicht mehr nachgeholt werden kann.
Manchmal mischt sich auch Erleichterung darunter, weil ein schwerer Weg zu Ende gegangen ist – und Dankbarkeit, weil wir noch alles tun und mitgeben konnten, was uns wichtig war.
Mit welchen Gefühlen auch immer wir auf unsere Verluste schauen, sie haben alle Spuren hinterlassen. Brüche in unserem Leben, vielleicht sogar zerbrochene Lebensentwürfe und Träume. Kratzer, Wunden und Narben.
Wie gehen wir damit um, wenn etwas zerbricht?
Geht ein Teller zu Bruch, dann wird er weggeworfen und ersetzt. Bei einer schönen Vase, die uns am Herzen liegt, machen wir uns manchmal die Mühe, sie zu kleben, selbst wenn wir sie danach nicht mehr als Vase nutzen können. Aber wegwerfen? Dafür ist sie zu kostbar, wenn auch nicht unbedingt im materiellen Sinn.
 
Aber wie ist es mit dem, was in uns zerbrochen ist. Versuchen wir es auch zu reparieren? Oder gehen wir oftmals nicht eher darüber hinweg. Verbergen die Trauer und den Schmerz in uns und erscheinen nach außen stark und unverwundbar?
Aber wenn wir ehrlich sind, wissen wir, dass das so nicht funktioniert. Der Verlust ist da – ebenso alle Gefühle, die dazugehören.
 
 
Eine andere Form damit umzugehen, finde ich in Japan.
Kintsugi heißt diese alte japanische Kunst, die sich der Heilung von Zerbrochenem widmet, wie z.B. in so einer zerbrochenen Schale, wie Sie sie vorne auf Ihrem Liedblatt abgebildet sehen.
 
Mit ganz viel Liebe, Geduld und Sorgfalt widmet sich Kintsugi dem Zerbrochenen.
Zuerst werden die zerbrochenen Teile gesichtet.
Behutsam nimmt man die Teile in die Hand, man fügt sie zusammen, wie ein Puzzle. Vorsichtig klebt man Scherbe an Scherbe. Man muss es mit ganz viel Ruhe machen – dem Kitt immer wieder Zeit geben, fest zu werden und die Teile zusammenzuhalten.
 
Das Besondere an Kintsugi ist, dass der Kitt mit Gold vermischt ist. Die Klebestellen werden so eben nicht unsichtbar verborgen, sondern richtig sichtbar gemacht und zugleich veredelt.
Am Ende entsteht eine Schale, der man ansieht, dass sie zerbrochen war. Und die vergoldeten Risse laden regelrecht dazu ein, genauer hinzusehen.
Immer wieder neu hinzusehen, um den Schmerz in der Welt – und bei sich selbst – nicht zu übersehen.
 
Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden, heißt es im Psalm 147.
Für mich ist das ein sehr kostbarer Vers. Ein Versprechen. Eine Zusage, die dabei helfen soll, zu erinnern aber auch zu heilen.
Gott sieht uns an – was wir erlebt haben, was für Wunden wir mit uns tragen, welche Brüche und Risse es in unserem Leben, in unserem Herzen und unserer Seele gibt.
Nicht alle verbinden wir mit dem Abschied von einem geliebten Menschen – manche auch mit unseren ganz persönlichen Grenzen, Krisen und Erfahrungen.
All diese Risse, Brüche, Narben und Verletzungen gehören zu uns. Wir müssen sie nicht verbergen – nein, wir sollen sie nicht verbergen.
Wir dürfen sie zeigen – und wir müssen sie anschauen.
 
Behutsam nehmen wir uns unsere Erinnerungen vor. Vielleicht während wir alte Fotoalben hervorholen und alte Briefe lesen, die vergangene Tage wieder ganz lebendig vor unseren Augen erscheinen lassen.
Vielleicht während wir die Wohnung der Eltern leerräumen und ihren Besitz noch einmal durch unsere Hände gehen lassen. Was haben sie erlebt, von denen wir uns verabschieden mussten?
Was hat in ihren Herzen Narben hinterlassen? Wo gab es in ihrem Leben Risse und auch Zerbrochenes, die sie zu dem gemacht haben, die sie dann nachher waren?
Oft verstehen wir Menschen im Nachhinein noch einmal besser, wenn wir sie mit ihrem ganzen Leben und all ihren Erfahrungen zusammen betrachten.
Und wir spüren dann auch, wie sich manches zusammenfügt – wie die Scherben einer Schale. Ja, wir ahnen, dass hier auch etwas heilen darf, was wir in uns selbst tragen.
Wir spüren wie sich etwas in uns verwandelt – im Schmerz entdecken wir die Liebe zu dem Menschen wieder, den wir loslassen mussten. In der Trauer finden wir eine Verbundenheit, die über den Tod hinausreicht. Manche Wunde und Enttäuschung, die sich in uns eingeprägt hat, verwandelt sich mit der Zeit zu einer Stärke, die uns in anderen Herausforderungen hilft.
Und nach einer Zeit kann ich spüren, wie mit der Verwandlung auch langsam so etwas wie Heilung und Frieden in mein Herz einzieht.
 
Heilen, was zerbrochen war. Ohne zu leugnen, was geschehen ist. Etwas Neues, Verwandeltes, Kostbares entstehen lassen.
Darum geht es bei Kintsugi. Es braucht eine ruhige Hand und Zeit. Und es braucht Liebe für das Zerbrochene.
Und manchmal brauchen wir auch noch einen anderen Helfer, damit Zerbrochenes und Verwundetes in uns heilen kann:
 
„Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“
Ich stell mir vor, dass Gott wie ein Kintsugi-Künstler hergeht und mein Leben anschaut. Ganz vorsichtig hält er mein Herz und meine Seele in seinen Händen.
Sanft streicht er über Risse und Bruchkanten – verbindet, klebt, hält zusammen.
Er hält mich in meinem Schmerz.
Und er sieht mich an – liebevoll.
Das, was er sieht, ist nichts Kaputtes – sondern wertvoll und kostbar.
Ich spüre, dass alles da sein darf – Trauer und Schmerz, Angst und Alleinsein, Dankbarkeit und Lachen, Tränen und Erinnern, angeschaut werden und gesunden.
Denn „Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“ Amen.
 
Predigtlied: Dir, Gott, will ich vertrauen (NL 22,1-4)
 
Totengedenken:
Unser Leben ist vergänglich, zerbrechlich, verwundbar. So gehen unsere Gedanken zurück zu den Menschen, die im vergangenen Kirchenjahr gestorben sind.
Heute hören wir noch einmal den Klang ihrer Namen.
Mit ihren Namen verbinden sich Erinnerungen, Gefühle, gemeinsam erlebtes Leben.
 
Wir zünden für jeden verstorbenen Menschen, den wir nennen, eine Kerze an.
Wir zünden sie an der Osterkerze an als Zeichen dafür, dass wir im Leben und im Tod mit Jesus Christus und seiner Auferstehung verbunden sind.
 
Die Angehörigen, die heute hier in die Kirche gekommen sind, lade ich ein, nach dem Gottesdienst die Kerze mit nach Hause oder mit ans Grab zu nehmen.
 
So denken wir an…
(Verlesung der Namen)
 
- und eine letzte Kerze entzünden wir für alle, die an anderen Orten verstorben und begraben wurden, für alle, die jetzt nicht genannt, oder schon in vorhergehenden Jahren verstorben sind.
 
Paulus schreibt: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel, noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist.
 
Trachtenkapelle: Peter Leitner, My Dream
 
Fürbittengebet:
Du Gott des Lebens, du Atem der Schöpfung.
Du heilst unsere Wunden. Du wischst unsere Tränen ab. Du tröstest uns in unserer Trauer.
Vor dir, du Gott des Lebens, denken wir an unsere Verstorbenen. Du, Gott, kennst alle ihre Namen:
 
Wir danken für den gemeinsamen Weg mit ihnen.
Wir mussten sie hergeben. Sie sind bei dir.
Deine Liebe verwandelt das Unvollendete. 
Deine Treue sieht, was uns verbindet.
Du hältst sie in deinen barmherzigen Händen.
Wir bitten für sie: Lass sie geborgen sein bei dir.
 
Vor dir, Gott, denken wir an die Toten, die niemand vermisst.
Du kennst ihre Namen. Sie sind bei dir.
Deine Liebe verwandelt ihre Einsamkeit.
Deine Treue sieht, worauf sie hofften.
Bei dir haben sie ein Zuhause.
 
Vor dir, Gott, denken wir an die Toten,
die ihr Leben durch Krieg und Gewalt verloren haben.
Du kennst auch ihre Namen. Sie sind bei dir.
Deine Gerechtigkeit zieht die Täter zur Rechenschaft.
Deine Treue sieht ihren Schmerz.
Du bringst sie nach Hause und bewahrst sie in deinem Frieden.
 
Vor dir, du Gott des Lebens, denken wir an die Trauernden.
Sie vermissen ihre Lieben. Sie sehnen sich nach dem Klang der Stimmen und den gemeinsamen Tagen.
Wir bitten für sie: Tröste sie.
Geh mit ihnen durch die dunklen Stunden.
Segne sie in ihrer Trauer. Zeige ihnen das Licht.
 
Vor dich Gott bringen wir auch unsere eigene Verwundbarkeit, was zerbrochen ist an Lebensentwürfen und Möglichkeiten.
Hilf uns, sie anzuschauen, damit sie heilen können.
Du, Gott, hältst uns und unsere Lieben behutsam in deinen Händen. Du tröstest, verbindest und heilst.
Du nimmst dem Tod die Macht und schenkst neues Leben durch Christus.
 
Gemeinsam beten wir zu dir:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
 
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
 
Lied: Von guten Mächten (Kreuzungen 373,1+2+4)
 
Abkündigungen
 
Trachtenkapelle: Forever young
 
Segen
Es segne und behüte euch der liebende und lebendige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
(Amen, Amen, Amen)
 
Orgelnachspiel