Gottesdienst am 20. Sonntag nach Trinitatis, 02.11.2025 10:00 Uhr in Lichtenau mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich
Praeludium
Warum haben wir das Gefühl, dass unsere Welt in ein Chaos taumelt, dass das Leben, und zwar alles Leben, auf diesem Planeten Erde mehr denn je gefährdet ist, dass wir unweigerlich auf einen Abgrund zusteuern? - Weil wir Menschen so egoistisch und habgierig sind, so selbstherrlich und überheblich, so gewalttätig und herrschsüchtig, so gleichgültig und verantwortungslos? Lässt Gott sich das alles gefallen? Ist Gott, der Allmächtige, bei den allermeisten Menschen schwach und unbedeutend und darum überflüssig geworden? Wie zu einem Verzierungsartikel, den man ab und zu aus seiner verstaubten Schatzkiste heraus holt, um persönliche Feste oder Ereignisse zu garnieren? - Lasst uns dies bedenken auch anhand der Sintflutgeschichte, die vor Urzeiten geschehen ist und bereits auf den ersten Bibelseiten erzählt wird. Diese bedenkenswerte Geschichte ist heute für diesen Gottesdienst vorgesehen. - Begrüßung
Lied: EG 663, 1-3 Unfriede herrscht auf der Erde
Votum und Gruß
Wechselpsalm: 959.1 Ehr sei dem Vater
Wir wollen beten:
Gott, du hast zugesagt, unsere Erde zu bewahren und dich nicht abzuwenden von uns. Das Bedrohte willst du retten; das Verlorene willst du suchen; das Geknickte willst du nicht zerbrechen. Wir danken dir für diesen Weg, den du schon zu atl. Zeiten und dann noch einmal in deinem Sohn vorgegangen bist. Und nun bitten wir dich: Vergib uns die Wunden, die wir anderen zufügen. Behüte uns vor uns selbst, vor unserer Zügellosigkeit und unserer Bosheit. Lass uns deinen göttlichen Geist zukommen, dass wir dir dorthin folgen, wo das Leben bedroht ist; wo wir den Respekt und die Achtung vor allen unseren Mit-Geschöpfen verlieren; wo Menschen müde und ängstlich vereinsamen. Gib uns Augen, die nicht wegsehen; Ohren, die sich nicht verschließen; Hände, die Erbarmen haben. Das bitten wir durch Jesus Christus und rufen: Herr, erbarme dich! (Kyrie)
Gott hat sich unser erbarmt, wie wir bei dem Evangelisten Johannes lesen können, wo Jesus uns zusagt: „Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und und bleibe in seiner Liebe. Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe“. - Ehre sei Gott in der Höhe (Gloria)
Lied: EG 424, 1-3 Deine Hände, großer Gott
Gott, dich und das Gespräch mit dir suchen wir. Aus deinem Wort können wir Trost und Weisung schöpfen. Hilf, dass wir mit Freude lernen, deinen Willen zu verstehen. Mach uns reich durch das, was Menschen vor uns in Begegnungen mit dir erfahren haben. Lass uns nicht aufhören, danach zu fragen, was im Glauben richtig und was falsch ist. Dein Hl. Geist leite uns, deine Geschichte mit uns und mit unserer Welt zu begreifen und deine Wahrheit zu bezeugen. Dir allein sei Macht und Ehre - jetzt und in Ewigkeit. Amen.
Lesung: 2. Korinther 3, 3-6
„Zeige mir, Herr, den Weg deiner Gebote, dass ich sie bewahre bis ans Ende!“ Halleluja!
Apostolisches Glaubensbekenntnis
Lied: 295, 1-4 Wohl denen, die da wandeln
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herren Jesus Christus. Amen.
Predigttext: 1. Mose 8, 18-22
Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige und segne unser Hören durch deinen Hl. Geist. Amen.
Liebe Gemeinde…
Halt, nicht so schnell! Ich habe da einige Fragen. Darf ich diese Fragen stellen? Das würde mir gewaltig helfen, diese uralte Geschichte zu verstehen. Und sicher nicht nur mir!
Das ist schön, dass jemand sich getraut, im Gottesdienst aufzustehen, damit seine Fragen beantwortet werden. Vielleicht haben andere ähnliche Fragen. - - Kommen Sie ans Mikrofon, damit alle der hier Anwesenden Ihre Fragen hören können. Ich versuche dann, mich in Noah zu versetzen, der ja nicht nur die Arche erbaut hatte, sondern zusammen mit seiner Familie und allem, was in der Arche war, diese riesige Naturkatastrophe überlebt hatte. - - Also, dann legen Sie los!
Noah, ich möchte nicht ganz von vorne anfangen, vielmehr mit dem Ende dieser Sintflut beginnen. Frage: Wie hatten Sie dass Ende der Sintflut erlebt?
Ich spürte, wie auf einmal Wind aufkam und das hohe Wasser sank. Ich merkte, dass der Regen nachließ, bis er ganz aufhörte. Natürlich war nach wie vor Geduld gefragt, denn die Wassermassen waren ja immens. Die Vorfreude auf ein Ende der Flut wuchs dennoch von Tag zu Tag. Dann gab es auf einmal einen Ruck: Die Arche schwamm nicht mehr. Sie hatte sich auf einem Berg festgefahren. Es war das Gebirge Ararat, das in der heutigen Türkei liegt. Ja, und immer mehr Spitzen der Berge traten hervor, ragten aus dem Wasser heraus, das sich mehr und mehr verlief. Geduld war gefragt, große Geduld! Nach einigen Tagen ließ ich einen Raben fliegen. Der hatte genügend Kraft, hin und her zu fliegen, bis das Wasser sich verlaufen hatte. Dann eine Taube, die jedoch zurück kam, weil sie nichts zu Fressen fand. Nach weiteren 7 Tage eine zweite Taube. Als diese zurückkehrte, hatte sie ein frisch getriebenes Ölblatt in ihrem Schnabel. Da merkte sich, dass die Wasser sich verlaufen hatten. Doch ich wartete noch weitere Tage ab, bis die Erde trocken war.
Und dann? Wie ging es weiter? Wann konnten Sie endlich zu Tür der Arche öffnen?
Gott gab dazu den Anstoß. Gott redete ja des Öfteren mit mir und so auch jetzt. Er gab mir den Auftrag, jetzt mit meiner Familie (meiner Frau, meinen 3 Söhnen und deren Frauen) herauszugehen, und anschließend dann auch die Tiere frei zu lassen. Sie sollen sich auf Erden regen, vermehren und die Erde wieder in Besitz nehmen. - Ja, es war überwältigend für mich, für uns alle! Endlich frische Luft! Endlich Freiheit! Endlich wieder Sonne! Endlich meine Familie gerettet! Endlich die Tiere gerettet! Ich war unheimlich erleichtert, froh und dankbar! Gott hatte uns nicht vergessen! Nein, er hatte nicht alles Leben auf der Erde vernichtet. Ein kleiner Rest blieb übrig! Wir blieben übrig! Und ihm, dem Allmächtigen, darf ich doch keine Vorwürfe machen, weil er die vielen anderen getötet und uns, die Wenigen, errettet hat!
Wie drückten Sie Gott gegenüber Ihren Dank aus?
Ich baute, wie ich es schon früher immer wieder mal getan hatte, Gott einen Altar und opferte von den reinen Tieren, die mit in der Arche waren. Es war eigentlich das Einzige, was ich in dieser Situation tun konnte. Natürlich sprach ich auch Dankesworte. Denn so, wie Gott immer wieder mit mir redete, so redete ich selbstverständlich auch mit ihm - gerade jetzt!
Was sagten Sie ihm?
Gott, sagte ich, dass ich mit meiner Familie davongekommen bin, dass du uns vor dem Untergang bewahrt hast, das habe ich, das haben wir allein deiner Gnade zu verdanken! Nein, es war nicht mein Verdienst, es war nicht meine vorausschauende Klugheit, es war auch nicht meine Fähigkeit, ein solches Schiff zu bauen, allein deine Gnade, deine unverdiente Liebe errettete mich und alle, die mit mir so viele Monate lang in der Arche waren!
Wie reagierte Gott darauf?
Gott war angetan von meinem Dank, wie es ihn immer berührt, wenn Menschen ihm für Bewahrung und Vieles in ihrem Leben, was sie erfüllt und glücklich macht, „danke“ sagen oder Danklieder singen! Und dann gab Gott mir und damit allen Menschen ein gewaltiges Versprechen; eine Zusage, die gilt und die bis in alle Ewigkeit besteht.
Was hat Gott gesagt? Was hatte er versprochen?
Auch wenn die Menschen böse sind: überheblich, selbstherrlich, eingebildet, rachsüchtig, gewalttätig, unmenschlich - auch wenn die Menschen schon immer gottlos waren und bis in alle Generationen gottlos bleiben, ich, Gott, ich will sie nicht mehr so hart bestrafen wie jetzt mit dieser großen Flut. Natürlich kann ich ihnen ab und zu einen Denkzettel verpassen! Natürlich kann ich auch in Zukunft verheerende Naturkatastrophen schicken! Natürlich werden die Träume der Menschen nicht in den Himmel wachsen! Dennoch gelobe ich heute: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören: Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht!“
Und welche Sicherheiten, welche Zusagen hatte Gott Ihnen gegeben? Oder hatten Sie Gott einfach so geglaubt?
Ich habe mit Gott, dem Schöpfer, folgende Erfahrung gemacht: Alles, was er zugesagt und versprochen hat, das hat er bisher immer gehalten und eingelöst! Ihm gegenüber hege ich keinen Zweifel und kein Misstrauen. Und weil Gott großzügig ist und seine Zusagen untermauert, hat er mir und allen Menschen ein Zeichen, ein sichtbares Zeichen, in den Himmel gesetzt: den Regenbogen! Und dazu hat er die Worte gesprochen: „Und wenn ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann werde ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe!“
Das ist schön und tröstlich! - Noah, ist unser heutiges Leben mit dem Leben damals zu vergleichen?
Nein, Ganz gewiss nicht! Als wir damals die Arche verließen, ließen 8 Menschen und dazu die Tiere die Enge der Arche hinter sich. Wir nahmen die Erde neu in Besitz. In alle Himmelsrichtungen belebten wir die Erde mit unserer ganzen Artenvielfalt. Wir machten sie bunt und abwechslungsreich. Es war ein Aufbruch! Es waren zaghafte Schritte hinein in die Freiheit, in das Leben! Schritte hinein in eine gute Zukunft! - Heute steht dem ein gewaltiger Rückzug aus der Welt gegenüber: Denn für immer mehr Tiere und natürlich auch für immer mehr Pflanzen sind die notwendigen Lebensbedingungen nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden. Viele Tiere sind ausgestorben, sind ausgerottet. Die Verminderung der Arten beschleunigt sich. Unsere Erde, Gottes Erde, die immer mehr zugepflastert, zugebaut wird, kann die Menschenmassen (mehr als 8 Milliarden) mit ihrer steigenden und egoistischen Konsumsucht nicht mehr ertragen und ernähren. Darum werden zunehmend Kriege geführt: ums Wasser, um Rohstoffe, um seltene Erden, um die Vorherrschaft auf dieser Erde wie auch im Weltall.
Wie sieht es bei diesen düsteren Aussichten heutzutage für einzelne Menschen aus?
Ich bin davon überzeugt, dass Gott nicht schwach ist, dass er, wenn er wollte, alles Leben zerstören und vernichten könnte. Vorausgesetzt die Mächtigen, die sich als die Allmächtigen wähnen, hätten in ihrem Größenwahn die Erde und das Leben auf ihr mit ihren A-,B- und C-Waffen (mit ihren atomaren, biologischen und chemischen Waffen) nicht bereits zerstört und vernichtet! Und das würde ja uns alle betreffen! Und das wäre noch schlimmer als diese überstandene Sintflut!
Andererseits kann eine Art „Sintflut“ auch in mein und dein Leben einbrechen. Einbrechen in der Weise, dass Gott uns mit den unterschiedlichsten Krankheiten schlägt, mit Sorgen, Problemen, Belastungen, die uns bis in die Verzweiflung treiben. Trifft dies zu, dann ist das für den jeweils betroffenen Menschen wie ein persönlicher Weltuntergang.
Daneben - und das ist mir noch wichtiger - daneben kann die Sonne der göttlichen Gnade auch wieder über meinem und deinem Leben scheinen. Denn er, Gott, hält sich an sein Versprechen, die Erde nicht mehr um der Menschen willen zu verfluchen. Das ist für uns alle eine gute Nachricht, die uns bereits auf den ersten Bibelseiten zugerufen wird!
Es gibt ja noch viele weitere Seiten in unserer Bibel! Also außer dem AT auch das NT. Ist auf ihnen für uns alle noch das Eine oder Andere Gute zu finden? Also eine weitere gute Botschaft, ein weiteres Evangelium?
Ja, weil wir als Menschen alle Sünder sind, also fehlerhaft, egoistisch, gottlos, gesetzlos, weil das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf, brauchen wir alle Erlösung! Und diese Erlösung ist geschehen, wie das NT uns erzählt. Ist geschehen am Kreuz von Golgatha! Hier hat Jesus, der Sohn Gottes, die Schuld (alle Schuld) aller Menschen auf sich geladen! Darüber hinaus spricht Gott uns in der Beichte, beim Abendmahl und auch, wenn wir ernsthaft mit ihm beten, die Vergebung unserer Sünden zu! Das heißt: Als Jesus auf unsere Erde kam, hat die Gnade Gottes vollends die Übermacht über seinen göttlichen Zorn gewonnen! Denn durch Christus sind wir frei gesprochen von aller Schuld und Sünde! Und mit der Auferstehung seines Sohnes hat Gott begonnen, das Werk seiner Gnade endgültig zu vollenden. So leuchtet seit Ostern die Sonne Gottes über unsere Welt und diesen Planeten Erde. Die Sonne Gottes will und wird auch alle Dunkelheiten, die einen einzelnen Menschen treffen kann, vertreiben. Wir dürfen folglich hinaustreten aus der Enge unserer Schuld, unserer Fragen und Zweifel. Hinaustreten in die Freiheit, in die Geborgenheit und Glaubensgewissheit, die uns seit Ostern entgegenweht! Das ist mehr noch als die Rettung, die wir erlebt haben!
Noah, danke für alle Informationen, Erklärungen und für alle Zusagen, die Gott Ihnen und so auch uns zugesprochen hat! -
Liebe Gemeinde! Unser Glaube ist ein Schiff, eine Arche, in der wir geborgen sind bei jedem Wetter. Und wenn es ganz schlimm kommt, dann redet mit Gott und betet zu ihm und schaut auf den Regenbogen! Habt Vertrauen zu dem, der in Jesus unsere Schuld gelöscht hat; und der zugleich nicht nur die Erde, sondern das ganze Weltall in seinen Händen hält! Amen.
Lied: EG 618, 1-4 Vergiss nicht zu danken
Lasst uns mit Gott reden:
Gott, allmächtiger Schöpfer des ganzen Weltalls, du hast nach deinem Willen auch unsere Erde mit allem vielfältigen Leben auf ihr gewollt. Du kannst aufbauen, aber auch zerstören; du kannst retten, aber auch vernichten. Du schenkst uns die Freiheit, uns für oder gegen dich zu entscheiden. Dir haben wir keine Vorwürfe zu machen. Denn du bist frei und souverän.
Gott, deine Gnade ist größer als dein Zorn! Obwohl das Dichten und Trachten von uns Menschen von Anfang an böse ist und böse bleibt, hältst du uns in deinen Händen und gibst uns das gewaltige Versprechen, deine Erde und das Leben auf ihr nicht untergehen zu lassen. Danke für deinen Großmut!
Gott, wir dürfen mit dir reden. Zu jeder Zeit hast du ein offenes Ohr für uns. Alles dürfen wir vor dich bringen und mit dir besprechen: Wie es uns geht; was uns belastet; woran das Miteinander unter uns Menschen krankt; was uns erfreut und neue Möglichkeiten eröffnet!
Gott, du hast uns den Auftrag gegeben, diese Erde zu bebauen und zu bewahren. Doch durch unseren Egoismus und unsere Hab- und Raffgier beuten wir diese Erde aus, betonieren wir immer mehr fruchtbare Ackerböden zu; denken wir uns immer schlimmere A-,B- und C-Waffen aus, und spielen etliche der Machthaber sich als Herren und Könige auf, die der Meinung sind, sie hätten in ihrem Größenwahn alleine zu entscheiden hätten.
Göttlicher Vater, durch Jesus Christus, deinen Sohn, sprichst du uns endgültig frei von aller Schuld! Mit dem Kommen deines Sohnes, der alle unsere Schuld ans Kreuz von Golgatha getragen hat, gewinnt deine Gnade die Übermacht über deinen Zorn, der uns treffen könnte. Seit Ostern leuchtet nun deine Sonne über unsere Welt und über alle Dunkelheiten. Die ewige Gemeinschaft mit dir ist größer und wichtiger als die große Vernichtungsflut, von der wir heute gehört haben. Danke, Gott!
Und alles, was uns ansonsten bewegt, das wollen wir dir, himmlischer Vater, jetzt in der Stille anvertrauen!
Und miteinander und füreinander beten wir, wie Jesus uns zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel…
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite euch:
Er erfülle eure Herzen; er regiere eure Gedanken; er bestimme euer Tun. Amen.
Mitteilungen:
Lied: EG 432, 1-3 Gott gab uns Atem
Segen und Postludium


