Gottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis, 26.10.25

 
Gottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis,  26.10.2025  10:00 Uhr in Muckenschopf mit Diakonin Nicole Faller
 
 
Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch  ausdrucken und weitergeben. Bitte nutzen Sie dafür die Druckfunktion Ihres Browsers.)
 
MUSIK ZUM EINGANG
 
VOTUM UND GRUSS
„Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.  [ Jeremia 17,14 ]

Liebe Gemeinde,
herzlich willkommen zum Gottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis – und ganz besonders zum Kirb-Gottesdienst. Schön, dass Sie da sind – zum Feiern, zum Danken, zum Innehalten.
Die Kirb ist ein Fest, das aus der Dankbarkeit gewachsen ist: für das Leben, für das Land, für die Gemeinschaft, für das, was wächst und gedeiht – in der Natur und in unserem Miteinander. Und sie ist auch ein Fest der Erinnerung: an die Gründung der Kirche, an die Menschen, die sie tragen, und an den Glauben, der uns verbindet.
Der Wochenspruch aus dem Buch Jeremia bringt eine tiefe Sehnsucht zum Ausdruck: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“
Ein ehrliches Gebet – wie ein offenes Herz. Es erinnert uns daran, dass wir mit allem, was uns bewegt, zu Gott kommen dürfen: mit Freude und Dank, aber auch mit dem, was uns belastet.
Heute werden wir von Ruth hören, einer Frau, die mit Mut und Vertrauen ihren Weg geht – und von einem Psalm, der Gottes Fürsorge in der Schöpfung besingt. Zwei Texte, die uns zeigen: Gott ist da. In der Natur, im Alltag, in der Begegnung. Und wir dürfen kommen – mit leeren Händen oder vollen Herzen – und darauf vertrauen, dass Gott uns sieht und begleitet.
Und so beginnen wir diesen Gottesdienst mit einem Lied, das genau das ausdrückt:
„Gott gab uns Atem, damit wir leben“ – ein Lied, das uns erinnert, dass unser Leben Geschenk ist – und Aufgabe zugleich.
 
LIED:
Gott gab uns Atem
 
Wir feiern diesen Gottesdienst:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Gemeinde: Amen.
Der Herr sei mit euch   Gemeinde: und mit deinem Geist.
 
 
 
PSALM ZUM EINGANG:
Wir lesen im Wechsel den Psalm 104:
 
Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, du bist sehr groß;
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt;
Der du machst Winde zu deinen Boten
und Feuerflammen zu deinen Dienern;
der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,
dass es nicht wankt immer und ewiglich.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern,
dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,
Darüber sitzen die Vögel des Himmels
und singen in den Zweigen.
Du lässest Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und das Brot des Menschen Herz stärke.
Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht
und die Felsklüfte dem Klippdachs.
Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen;
die Sonne weiß ihren Niedergang.
Wenn aber die Sonne aufgeht,
Dann geht der Mensch hinaus an seine Arbeit
und an sein Werk bis an den Abend.
Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet,
und die Erde ist voll deiner Güter.
Ich will dem Herrn singen mein Leben lang
und meinen Gott loben, solange ich bin.
Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!
 
EHRE SEI DEM VATER
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immer da
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen
 
 
GEBET:
lasst uns beten:
Gott, du gibst uns Atem, damit wir leben.
Du lässt die Erde Früchte tragen, du schenkst uns Gemeinschaft und Zeit zum Feiern.
Und doch vergessen wir oft, wie kostbar all das ist.
Wir leben, als wäre alles selbstverständlich.
Wir nehmen, ohne zu danken.
Wir reden, ohne zu hören.
Wir urteilen, ohne zu verstehen.
Wie Ruth sind wir manchmal unterwegs – mit leeren Händen, mit Fragen, mit Sehnsucht.
Und wie sie dürfen wir hoffen, dass du uns siehst, dass du uns begleitest, dass du uns versorgst.
Darum bitten wir dich:
Vergib uns, wo wir achtlos waren.
Vergib uns, wo wir anderen nicht mit Güte begegnet sind.
Vergib uns, wo wir dein Vertrauen nicht erwidert haben.
Heile du uns, Herr, so werden wir heil.
Hilf du uns, so ist uns geholfen.
Herr, erbarme dich.
 
KYRIE:
  Gemeinde: Herr erbarme dich
 
  Gemeinde: Christi erbarme dich
 
  Gemeinde: Herr erbarm dich über uns
 
GNADENSPRUCH:
So steht es im Psalm 103,8:
Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte
 
GLORIA
Ehre sei Gott in der Höhe
Gemeinde: und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.
 
 
LIED:
Geh aus mein Herz (Strophe 1 bis 4)
 
 
SCHRIFTLESUNG:
Die Frohe Botschaft für den Nachkirb Gottesdienst steht geschrieben bei Ruth, Kapitel 2:
 
Ruth war eine junge Frau aus Moab. Sie hatte ihren Mann verloren, und statt in ihrer Heimat zu bleiben, war sie mit ihrer Schwiegermutter Noomi nach Bethlehem gezogen – in ein fremdes Land, zu einem fremden Volk, mit einem fremden Gott. Sie hatte nichts, außer ihrer Treue zu Noomi und ihrem Vertrauen, dass Gott sie nicht vergessen würde.
Als sie in Bethlehem ankamen, war gerade die Gerstenernte. Ruth sagte zu Noomi: „Lass mich aufs Feld gehen und Ähren sammeln – dort, wo man es mir erlaubt.“ Sie wollte etwas beitragen, wollte helfen, wollte nicht nur zusehen, wie das Leben weiterging.
Ruth ging hinaus und kam zufällig auf das Feld eines Mannes namens Boas. Er war ein angesehener und gottesfürchtiger Mann, und als er Ruth sah, fragte er seine Leute: „Wer ist diese Frau?“ Man erzählte ihm von Ruths Geschichte – wie sie Noomi begleitet hatte, wie sie sich um sie kümmerte, wie sie nun auf dem Feld arbeitete, um für sie beide zu sorgen.
Boas war beeindruckt. Er ging zu Ruth und sagte: „Bleib auf meinem Feld. Geh nicht woanders hin. Ich habe meinen Leuten gesagt, dass sie dich nicht belästigen sollen. Trink, wenn du durstig bist, und iss mit den anderen.“
Ruth war überwältigt. Sie fiel vor ihm nieder und fragte: „Warum bist du so freundlich zu mir, obwohl ich eine Fremde bin?“ Boas antwortete: „Ich habe gehört, was du für Noomi getan hast. Der Herr vergelte dir deine Liebe und deinen Mut.“
Von da an durfte Ruth auf dem Feld bleiben. Boas ließ ihr sogar extra Ähren liegen, damit sie genug sammeln konnte. Am Abend brachte Ruth viel Getreide nach Hause – genug für viele Tage. Noomi freute sich und erkannte: Gott hat für sie gesorgt – durch die Freundlichkeit eines Menschen.
 
LOBSPRUCH
Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren – Halleluja
 
LIED:
Geh aus mein Herz
Strophe 5 – 8
 
 
 
PREDIGT:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, der da war, der da ist und der da kommt. Amen
 
Liebe Gemeinde,
stellen Sie sich Ruth vor. Nicht als biblische Figur, sondern als Frau, die früh am Morgen aufsteht. Sie hat nichts – kein Besitz, keine Sicherheit, keine Heimat.
Aber sie hat einen Entschluss gefasst: Sie will nicht stehen bleiben.
Sie will etwas tun. Also bindet sie sich ein Tuch um und geht auf’s Feld. Nicht ihr eigenes, sondern ein fremden. Sie will Ähren sammeln – dort, wo man es ihr erlaubt.
Sie weiß nicht, ob man sie dulden wird.
Sie weiß nicht, ob sie genug finden wird.
Aber sie geht.
Mit leeren Händen – und voller Hoffnung.
Und dann steht sie da. Zwischen den Ähren.
Sie bückt sich, sie sammelt, sie arbeitet.
Und sie wird gesehen.
Boas, der Besitzer des Feldes, fragt nach ihr.
Er hört ihre Geschichte. Und er handelt.
Nicht spektakulär, nicht laut – aber mit Güte.
Er lässt sie bleiben. Er lässt ihr Raum.
Er lässt ihr Würde.
Diese Geschichte ist leise. Aber stark.
Denn sie erzählt nicht von einem Gott, der nur im Tempel wohnt, sondern auf dem Feld.
In der Begegnung. Im Alltag.
Auch Psalm 104 erzählt von diesem Gott.
Nicht in Bildern von Macht, sondern in Bildern von Leben.
Wasser fließt. Gras wächst. Brot entsteht.
Wein erfreut das Herz. Öl lässt das Gesicht leuchten.
Es ist ein Lob auf das, was wir oft übersehen.
Auf das, was uns trägt – Tag für Tag.
Nicht spektakulär. Aber lebenswichtig.
 
Und wir?
Wir feiern Kirb. Ein Fest, das aus der Erde kommt.
Aus der Gemeinschaft. Aus der Dankbarkeit.
Vielleicht sind wir wie Ruth: Mit leeren Händen.
Mit Fragen. Mit Sehnsucht.
Vielleicht sind wir wie Boas:
Mit Möglichkeiten, anderen Raum zu geben.
Vielleicht sind wir wie der Psalm:
Staunend über das, was Gott tut – mitten im Leben.
Und nun singen wir: „Herr, ich komme zu dir.“
Nicht als Flucht. Nicht als Pflicht. Sondern als Antwort.
Denn wie Ruth dürfen wir kommen.
Mit allem, was wir sind. Mit dem, was uns fehlt.
Mit dem, was uns freut.
Und Gott sagt:
Du bist gesehen. Du bist willkommen.
Du bist gesegnet.
Amen.
 
LIED:
Herr, ich komme zu dir
 
FÜRBITTEN:
 
Lasst uns Fürbitte leisten: 
Gott, du gibst uns Atem, damit wir leben.
Du lässt die Erde Früchte tragen, du begleitest unsere Wege – wie Ruth auf dem Feld, wie das Wasser in den Tälern, wie das Brot auf unserem Tisch.
In dieser Dankbarkeit bringen wir dir unsere Bitten:
Für unsere Gemeinde und das Kirb-Fest:
Wir danken dir für das Miteinander,
für die Menschen, die sich engagieren,
für die Freude, die wir teilen dürfen.
Lass unsere Gemeinschaft ein Ort sein, an dem Menschen sich willkommen fühlen – mit ihrer Geschichte, ihren Fragen, ihrer Hoffnung.
Für alle, die arbeiten, damit Leben gelingt:
Für Landwirtinnen und Landwirte, für Menschen in Pflege, Bildung, Handwerk und Ehrenamt.
Schenke ihnen Kraft, Anerkennung und gute Bedingungen – und uns den Blick für ihren Wert.
Für alle, die wie Ruth unterwegs sind:
Menschen auf der Flucht,
Fremde in einem neuen Land,
Suchende in schwierigen Lebenslagen.
Lass sie Menschen begegnen, die ihnen mit Güte und Respekt begegnen.
Hilf du ihnen – so ist ihnen geholfen.
Für unsere Welt:
Wir bitten dich für die Orte, an denen Krieg herrscht, Hunger, Ungerechtigkeit.
Für Israel und Palästina, für die Ukraine, für alle, die unter Gewalt und Angst leiden.
Für die, die unter den Folgen des Klimawandels leiden, für die, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.
Heile du, Herr – so werden wir heil.
Für unsere Kirche und unseren Glauben:
Für alle, die predigen, leiten, begleiten.
Lass unsere Kirche ein Ort sein, an dem Menschen aufatmen können, an dem dein Wort lebendig wird, an dem Hoffnung wächst.
Für uns selbst:
Was uns bewegt, was uns belastet, was uns freut – all das bringen wir vor dich.
Heile du uns, Herr, so werden wir heil.
Hilf du uns, so ist uns geholfen.
Und alles, was wir nicht in Worte fassen können, legen wir in das Gebet, das uns verbindet mit dir und miteinander:
 
VATER UNSER:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen
 
ABKÜNDIGUNGEN:
Die Gemeinde hat noch Folgendes bekannt zu geben:
 
LIED:
Möge die Straße uns zusammenführen (Strophe 1 bis 4)
 
SEGEN
Gott segne dich mit dem Atem des Lebens,
mit der Kraft der Erde und der Wärme der Gemeinschaft.
Er segne dich mit dem Vertrauen Ruths,
dass du auch in fremden Situationen deinen Weg findest –
und mit der Hoffnung, dass dir Menschen begegnen, die dich stärken.
Gott segne dich mit dem Reichtum seiner Schöpfung,
mit dem Brot, das dich nährt,
mit dem Wein, der dein Herz erfreut,
und mit dem Öl, das dein Gesicht zum Leuchten bringt.
Er heile dich, wo du verletzt bist.
Er helfe dir, wo du nicht weiterweißt.
So geh in diesen Tag, in dieses Fest, in dein Leben –
unter Gottes Segen.
Es segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.
  Gemeinde: Amen.
 
MUSIK ZUM AUSGANG