Gottesdienst am 18. Sonntag nach Trinitatis, 19.10.25
Gottesdienst an der Kirb mit Taufe und Vorstellung der neuen Konfirmanden am 18. Sonntag nach Trinitatis, 19.10.2025 10:00 Uhr in Scherzheim mit Pfarrerin Ute Braun
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Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.)
Gruß: Der Herr sei mit euch (...und mit deinem Geist.)
Psalm:
Weise mir, Herr, deinen Weg.
Du bist mein Gott, der mir hilft.
Manchmal brauche ich einen,
der mir den Weg zeigt,
hinter dem ich hergehen kann,
in dessen Spur ich treten kann.
Weise mir, Herr, deinen Weg.
Du bist mein Gott, der mir hilft.
Manchmal brauche ich einen,
der mir ein Zeichen gibt,
der mich aufmerken lässt,
der mir die Richtung zeigt.
Weise mir, Herr, deinen Weg.
Du bist mein Gott, der mir hilft.
Manchmal brauche ich einen,
der mich begeistern kann,
der mich mit seiner Phantasie ansteckt.
Weise mir, Herr, deinen Weg.
Du bist mein Gott, der mir hilft.
Ehre sei dem Vater...
Eingangsgebet:
Guter Gott,
heute kommen wir her aus ganz unterschiedlichen Orten und mit ganz unterschiedlichen Gefühlen.
Wir feiern Taufe und freuen uns an dem neuen Erdenbürger!
Wir lernen unsere neuen Konfis kennen – für den nächsten Wegabschnitt sind wir gemeinsam unterwegs – lernen voneinander und miteinander. Da ist auch Aufregung da – das erste Mal stehen diese Jugendlichen vor der Gemeinde.
Wir feiern Kirb – rund um die Kirche ist ein großes Fest, an dem Menschen aus den verschiedenen Vereinen sich einbringen und auf ein gutes Gelingen hoffen.
Viele Wege führen uns heute hierher – an deinen Ort, in dein Haus. Dafür danken wir dir.
Wir danken dir für alles Gemeinsame, für Altes, Vertrautes – aber auch für Neuanfänge und Aufbrüche,
Sei nun bei uns, in diesem Gottesdienst, an diesem Tag, aber auch auf allen Wegen, die vor uns liegen, darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen.
Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.
Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.
Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wußte es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.
PREDIGT über Wege, Spuren und Gen 28,10-17
Manchmal muss man sich auf den Weg machen, um Neues zu entdecken…
So wird es uns in der Geschichte von Jakob erzählt.
Zugegeben – er ging nicht ganz freiwillig los – sondern war regelrecht dazu gezwungen worden.
Der Jakob war nämlich ein echtes Schlitzohr. Als Lieblingskind von seiner Mutter hatte er in seiner Kindheit die meisten Wege schön bereitet bekommen. Aber was die Aufmerksamkeit seines Vaters anging, da geriet er immer wieder in Konkurrenz mit seinem Zwillingsbruder Esau.
Eskaliert war das Ganze, als sein Vater Isaak so alt und krank geworden war, dass sich die Familie darauf einstellen musste, dass er bald sterben wird. Und wie es damals üblich war – wollte der Vater den ältesten Sohn noch einmal segnen – er sollte zukünftig der Familie vorstehen – er sollte erben, was der Vater hinterließ – und der älteste Sohn war nun mal Esau – auch wenn er nur wenige Minuten älter war.
Rebekka, Isaaks Frau, wollte aber gerne ihren Jakob als Familienoberhaupt und Erben haben. So hatten sie sich einen Trick einfallen lassen – Jakob sollte ein leckeres Essen kochen, sich wie Esau verkleiden – und sich den Segen beim Vater abholen.
Und genauso tat er es – er erschlich sich mit List den väterlichen Segen.
Als Esau das herausfand, wurde er stinksauer – kann man ihm wohl auch nicht verdenken. Er war so wütend, dass Rebekka Angst bekam, er würde Jakob etwas antun. Also sorgte sie dafür, dass Jakob sich in Sicherheit bringen konnte. Er sollte zu ihrem Bruder nach Haran ziehen – und dort bleiben, bis die Wogen sich etwas geglättet hatten. Und Jakob machte sich auf den Weg.
Es war ein langer Weg – der ihm Zeit gab auch über all das nachzudenken, was da passiert war. Vielleicht hat er es sogar zwischendrin bereut, dass er seinen Bruder betrogen und seinen Vater getäuscht hatte – aber daran ließ sich jetzt nichts mehr ändern. Er musste weg von daheim – in eine fremde Stadt, zu einer Familie, die er noch nicht kannte.
Und auf seinem Weg passierte dann das, was wir gerade gehört haben. Jakob hat einen Traum – von einer Himmelsleiter und von Engeln, die daran rauf und runter klettern. Und Jakob hörte in diesem Traum, wie Gott mit ihm sprach.
Ja, Jakob begegnete in dieser Nacht Gott – und zwar nicht einem Gott, der ihm Vorhaltungen macht, weil er seine Familie getäuscht hat – sondern einem Gott, der ihn segnet – für seinen Weg, für sein Leben – für alles, was er einmal erreichen wird.
Kein Wunder war Jakob sprachlos, als er am nächsten Morgen aufwachte – kein Wunder war er auch so voller Dankbarkeit, dass er Gott an Ort und Stelle einen kleinen Altar errichtet hat. Hier an diesem Ort war er Gott begegnet.
Obwohl Jakob wirklich als arges Schlitzohr – ja sogar als Betrüger beschrieben wird – mag ich ihn irgendwie. Er ist so menschlich – mit seinen Fehlern und seinen Wünschen. Und auch das, was nachher noch von ihm erzählt wird, macht so ganz alltäglich deutlich, dass unsere Wege nicht immer geradlinig verlaufen – wir machen Fehler – wir müssen Umwege gehen – manchmal tricksen wir jemand anderen aus – und manchmal werden wir ausgetrickst. So zumindest erlebt es Jakob, bis er viele, viele Jahre später in seine Heimat zurückkehren kann und sich mit seinem Bruder versöhnt.
Manchmal muss man sich auf den Weg machen, um etwas Neues zu entdecken.
Ihr, Konfirmanden, habt euch auch auf den Weg gemacht, um in gewisser Weise etwas Neues zu entdecken. Manche von euch ganz neugierig – andere mit ein wenig Anschiebe-Hilfe durch Eltern oder Großeltern. Manche von euch haben sich mit der Entscheidung Zeit gelassen, ob sie wirklich aufbrechen wollen in diese Konfirmandenzeit, und für andere von euch war es gar keine Frage, dass ihr euch das zumindest mal anschauen wollt.
Und jetzt seid ihr gemeinsam unterwegs – wie es eure Fußspuren hier vorne auf dem Plakat zeigen. Und ihr hattet ja jetzt auch schon Gelegenheit euch ein bisschen kennenzulernen – denn wenn man weiß, wer da mit einem unterwegs ist, fällt das Losgehen viel leichter.
Und wenn alles gut geht, werdet ihr am Ziel eures Wegabschnittes konfirmiert und eine von euch sogar getauft werden.
Ich denke, es liegt ein spannender Weg vor euch – wo ihr viel kennen lernen könnt, wo ihr viel entdecken werdet. Manches
davon wird euch gefallen, manches davon wird euch vielleicht auch Mühe machen, manches wird euch vielleicht auch zum Nachdenken bringen. Und alles darf sein – denn dafür ist so ein Weg ja da.
Auch ihr macht euch auf den Weg, auf dem ihr in gewisser Weise Gott begegnen könnt – ob es so unmittelbar sein wird, wie es Jakob erlebt hat, weiß ich nicht – aber sicher bin ich mir, dass ihr ihn in der ein oder anderen Weise entdecken werdet – weil ihr von ihm hört, über ihn sprecht, euch mit unserem Glauben an ihn auseinandersetzen werdet und anderen begegnet, die an ihn glauben. Und schon allein diese Möglichkeiten machen den Weg, den ihr vor euch habt, spannend!
Und wie Jakob, werdet ihr auf eurem Weg Gott an eurer Seite haben – den Gott, der euch von klein auf kennt, der euch bei eurer Taufe gesegnet hat – wie heute den kleinen Wim.
Der weiß aus welchen Familien ihr kommt, welche Stärken und Schwächen ihr habt – und euch genau so liebt. Es ist derselbe Gott, der euch am Ende eures Weges als Konfirmanden, für euer weiteres Leben segnen will – so wie er es in der Geschichte bei Jakob macht.
Manchmal muss man sich auf den Weg machen, um Neues zu entdecken. Auch wir anderen sind eigentlich ständig aufgerufen, uns wieder neu auf den Weg zu machen – wir haben schon ein ganzes Stückchen Weg hinter uns – haben auf diesem Weg vielleicht auch schon manches von Gott erfahren oder Spuren von ihm in unserem Leben entdeckt. Spuren, die wir oft erst beim Blick zurück sehen.
Manches auf diesen Wegen war sicherlich schwierig, anderes war wunderschön – auf manchen Wegabschnitten konnten wir spüren, dass Gott mit uns geht und uns segnet – auf anderen Wegabschnitten kamen wir vielleicht ins Zweifeln, ob das wirklich so ist.
Aber wir sind immer noch unterwegs – mit unserem Glauben und unseren Zweifel – mit unseren Erfahrungen, Fähigkeiten und Grenzen.
Und manchmal brauchen wir gerade diese Herausforderungen des neuen und anderen, wie es vielleicht auch durch Jugendliche in unsere Gemeinde hineingetragen wird, damit wir nicht einfach stehen bleiben und uns gemütlich einrichten. Sondern damit wir immer weiter gehen – neugierig bleiben, was dieser Gott noch für uns bereit hält an Segen und Wegbegleitung. Und auch einen wachen Blick dafür bekommen, wo uns dieser Gott immer wieder begegnet – wo er Spuren in unserem Leben hinterlässt.
Und wann könnte man es besser sehen, als wenn man von anderen – vielleicht gerade von den Jugendlichen – nach seinem Glauben und nach seinen Erfahrungen gefragt wird.
Manchmal muss man sich auf den Weg machen, um Neues zu entdecken – und manchmal begegnen einem sogar Engel auf dem Weg – tatsächliche Engel, die uns den Himmel öffnen, damit wir einen Blick hinein werfen können und Gott ein bisschen näher kommen – oder auch ganz menschliche Engel, die uns auf unserem Weg helfen und begleiten.
Manchmal muss man sich auf den Weg machen, um Neues zu entdecken – und manchmal kommt man auf seinem Weg auch an…
…an einem Ort vielleicht, wo man das Gefühl hat: hier ist etwas Besonderes, hier ist ein Ort, der mir gut tut – ein heiliger Ort vielleicht – hier ist ein Ort mit Menschen, die mich gut aufnehmen, wo ich so sein kann, wie ich bin – mit all dem, was ich mitbringe an Fragen, Zweifeln, auch Fehlern, Ecken und Kanten…
Jakob nennt diesen Ort, an dem er nachts diesen Traum hatte: Beth-El. Haus Gottes!
Für mich passt das gut zu unserer Kirb heute. Kirb bedeutet ja eigentlich „Kirchweih“ – also so ein Art Geburtstagsfest für die Scherzheimer Kirche.
Dieser Ort hier ist schon für viele Generationen so ein guter Ort gewesen – ein Ort, wo sie Zuflucht fanden mit ihrer Trauer oder einfach mit ihrem Bedürfnis nach Ruhe oder nach Segen – ein Ort, wo man sein kann, mit allem, was einen gerade bewegt – an Freude und Dankbarkeit aber auch an Sorgen, Ängsten und Traurigkeit.
Manchmal muss man sich auf den Weg machen – heute machen wir uns gemeinsam auf den Weg – wir alle, die wir heute da sind. Gemeinsam mit dem kleinen Wim, mit euch Konfis, mit den Festgästen der Kirb und allen anderen, die da sind – können wir uns immer wieder neu auf die Suche nach Gott machen und nach Orten, wo er uns nah kommt – nach „heiligen“ Orten, die uns gut tun.
Auf diesem Weg können wir einander Wegbegleiter und manchmal auch Engel sein. Und uns alle begleitet auf diesem Weg Gott – er geht mit – und er segnet uns – für den nächsten Wegabschnitt, für jeden nächsten Schritt.
Und über diesem gemeinsamen Weg steht die Zusage, die Gott in dieser Nacht dem Jakob gemacht hat: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst... ich will dich nicht verlassen...
In einem bekannten Text wird das ganz schön beschrieben – ich lese diesen Text zum Abschluss meiner Predigt:
„Spuren im Sand“
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"
Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Guter Gott, wir sind gemeinsam – jung und alt – erfahrene und Neueinsteiger - auf dem Weg – um unser Christsein zu leben. Nicht immer sind diese Wege eben und schön – manchmal sind sie auch steil und steinig.
Darum bitten wir dich um deine Wegbegleitung:
- Für alle Kinder, die noch ganz am Anfang ihres Lebensweges sind – dass sie groß werden und auch das Vertrauen zu dir in ihnen wachsen darf.
- für alle Jugendlichen, die gerade dabei sind, sich auf ihrem Weg zu orientieren. Die versuchen herauszufinden, wie sie selbst sind, was ihnen wichtig ist, wie sie leben möchten. Hilf ihnen dabei, ihren ganz persönlichen Weg zu finden und zu gehen.
- wir bitten dich heute besonders für unsere neuen Konfirmanden – die ihren Weg in unserer Gemeinde ganz bewusst begonnen haben. Begleite sie durch ihre Konfirmandenzeit und lass dich von ihnen finden, wenn sie nach dir suchen und fragen.
- wir bitten dich für alle, die schon eine Zeit auf deinem Weg unterwegs sind – als Jugendliche oder als Erwachsene – als haupt- und nebenamtliche Mitarbeiter in unserer Gemeinde oder als Ehrenamtliche. Zeig uns immer wieder die Wege, auf denen wir gehen sollen, damit deine Gemeinde weiter wachsen kann.
Und wir bitten dich um deine Wegbegleitung für alle Menschen, die deine Nähe und Hilfe gerade ganz besonders brauchen. Für traurige und einsame, für kranke und sterbende, für ängstliche und hoffnungslose.
Für alle, die wir dir in der Stille nennen:
- STILLE –
Du begleitest uns auf unserem Weg, Gott, darüber sind wir sehr froh. Voller Vertrauen beten wir gemeinsam zu dir:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Und der Frieden Gottes, der höher ist….
Abkündigungen
Schlusslied: NL 93,1-3: Da berühren sich Himmel und Erde