Gottesdienst am zehnten Sonntag nach Trinitatis, 24.08.2025 10:00 Uhr in Lichtenau mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich
Präludium
Begrüßung
Jeder Sonntag / Feiertag hat ein bestimmtes Thema, eine bestimmte Ausrichtung. Der 10. Sonntag nach Trinitatis ist dem Volk Israel, das von Gott als das Volk Gottes auserwählt wurde, gewidmet. Ich möchte die gegenwärtige politische Situation und Problematik nicht kommentieren, weil es nicht um meine politische Meinung geht, vielmehr möchte ich mir erlauben, die Frage zu stellen, was wir als Christen dem AT, das ja die Bibel der Juden ist, zu verdanken haben bzw. Wie wir von vielen Geschichten und Berichten, Aussagen und Gesetzen, die wir aus dem AT kennen, berührt und beeinflusst sind. Vielleicht kann dieser Versuch unsere religiöse Verbundenheit stärken, zumal wir vom NT her wissen, dass Jesus Christus, unser Herr und Heiland, ein Jude gewesen ist.
Lied: 196, 1+2+5 Herr, für dein Wort
Votum und Gruß
Der Psalm 74 spricht davon, welche Verwüstungen durch Kriege entstehen können, und wie Menschen Gott anflehen, dieser zerstörerischen Gewalt ein Ende zu bereiten. Das gilt nicht nur für das jüdische Volk, nicht nur für Jerusalem, sondern für alle Orte und Städte auf dieser Erde, wo die rohe Gewalt des Krieges regiert. - Beten wir den Psalm 74 im Wechsel: 934 (NG)
Ehr sei dem Vater…
Wir wollen beten:
Gott Abrahams und Saras, du hast Israel zu deinem Volk erwählt und uns durch Jesus Christus zum Heil berufen. Du hast dich mit Worten und Taten bekannt gemacht an vielen Stellen im AT. Lass uns diese gemeinsame Wurzel nicht vergessen. Segne unser Bemühen nach Verbundenheit mit dem jüdischen Volk und unser gemeinsames Suchen nach der Wahrheit. Vergiss das Leiden deines auserwählten Volkes nicht wie auch das Leiden aller Völker und Menschen, die nach Frieden und Gerechtigkeit, nach Freiheit und Selbstbestimmung hungern. - Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich! Kyrie
Gott hat sich unser erbarmt, wie wir in Psalm 23 erfahren dürfen: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“. - Ehre sei Gott in der Höhe! Gloria
Lied: 433 Hevenu Schalom alejchem
Gott, der Geschichte und der Geschicke, wir danken dir, dass du dich vielen Menschen in Worten und Taten bekannt gemacht hast. Gott, wir danken dir, dass du Sehnsucht hast nach einem jeden unter uns, dass du uns begleitest als guter Hirte. Gott, wir danken dir, dass wir deine Worte und Gedanken nachlesen können und stets von Neuem bedenken dürfen. Öffne uns allen dafür unser Herz und unseren Verstand und stärke uns mit deinem göttlichen Geist! - Dir sei Ehre - jetzt und in Ewigkeit. Amen.
Lesung: Markus 12, 28 - 34 (Frau Vogel)
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! Halleluja!
Glaubensbekenntnis
Lied: 430, 1-4 Gib Frieden, Herr, gib Frieden
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herren Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde!
Was verbindet uns mit dem jüdischen Volk, wenn es nicht um die Politik und die meist kriegerische Geschichte geht, sondern um die Religion? Es ist vor allem das AT, die Bibel der Juden. Aus der ganzen Fülle des ATs möchte ich einige wenige Beispiele nennen - längst nicht alles, mir persönlich aber wichtige Aussagen und Ereignisse.
Beginnen möchte ich mit dem Mirjam-Lied aus dem 2. Buch Mose. Mirjam, die Schwester des Mose, sang es nach dem erfolgreichen Auszug des jüdischen Volkstammes aus Ägypten. Es lautet:
„Und Mirjam sang ihnen (den Frauen) vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt“.
Dieses Lied - von Generation zu Generation weitergegeben, weil es sich eingebrannt hat ins Gedächtnis des jüdischen Volkes zusammen mit den Erlebnissen bei der 40jährigen Wüstenwanderung, dieses Lied gilt als der Ausgangspunkt für die Entstehung des ATs. Es ist ein Lied, das die Freiheit besingt. Endlich sind wir frei! Keine Willkür! Keine Ausbeutung! Keine Fremdherrschaft! Keine Sklaverei! Endlich Gerechtigkeit! Denn: Gott hat uns auf wunderbare Weise aus der Knechtschaft in Ägypten heraus geführt!
Gerade viele Gospels, eine Musikrichtung aus der afro-amerikanischen Richtung, besingen nach wie vor das Gefühl, wie es ist, wirklich frei zu sein: „O happy Day!“
Nach dieser historischen Befreiung (das kleine Volk Israel gegen das damals übermächtige ägyptische Heer) - regiert von Macht-Besessenen Gott-Gleichen Pharaonen, stellte man sich die Frage: Wie sind wir überhaupt nach Ägypten gekommen? Die Antwort finden wir in der Geschichte des Josef. Josef, der Träumer, der von seinen Brüdern wegen seiner Angeberei zunächst in eine Zisterne geworfen und dann als Sklave nach Ägypten verkauft wurde. Josef, der Jahre später als Ernährungsminister seinen Volksstamm, seine Sippe, die später nach Ägypten auswanderte, durch kluges Regieren vor dem Hungertod bewahrte. Wir denken an die 7 guten und die 7 schlechten Jahre.
(Ziemlich am Ende der Josefsgeschichte steht folgende nachdenkenswerte Aussage: „Ihr - seine Brüder - gedachtet es böse zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen“. - Ein Wort, das mich beeindruckt und begleitet, weil es ein markantes Licht auf Gott wirft!)
Davor wurden dann die Geschichten der Urväter Abraham, Isaak und Jakob gestellt. Diese Erzählungen beantworten die Frage, wer sind unsere Urväter, unsere Stammesführer, ähnlich wie auch wir manchmal danach fragen, wer unsere Urväter, Urmütter sind bzw. Auf wen unser Stammbaum, unsere Familie zurückgeht. - Ja, und schließlich kam es zu den großen Urfragen der Menschen - aufgeschrieben ganz am Anfang des ATs in den ersten 11 Kapiteln des 1. Buches Mose, der sogenannten „Urgeschichte“.
Gibt es einen Schöpfer, einen Allmächtigen? Wer hat gewollt, dass Himmel und Erde, das Weltall und unser klitzekleine Planet Erde im Laufe von Milliarden Jahren entstanden sind? Wie ist das Leben entstanden - einfach durch eine Laune der Natur, durch die Gesetze der Evolution, oder stecken da geniale Gedanken eines unsichtbaren, jedoch geheimnisvollen, machtvollen Schöpfers dahinter? Welche Rangordnung hat der Mensch innerhalb allen Lebens? Braucht der Mensch einen 7. Tag als Ruhetag als besonderen Beziehungstag zu Gott? -
Der Sündenfall: Wo kommt das Böse her? Kann der Mensch den unterschiedlichsten Versuchungen überhaupt widerstehen? Gibt es einen fehlerfreien, vollkommenen Menschen? Geben wir Adam und Eva die Schuld, weil sie ihre Finger nicht von der verbotenen Frucht lassen konnten? Sind mit „Adam“, der von der Erde Genommene, und mit „Eva“, Mutter des Lebens, zwei einzelne Menschen gemeint oder alle Männer und alle Frauen? Sind wir geschaffen für ein Leben im Paradies? Ist unsere grundsätzliche Trennung von Gott der Grund dafür, dass wir nicht mehr im Paradies leben? -
Kain und Abel: Ist der Mensch so veranlagt, dass er von Urzeiten an auf Macht und Gewalt, auf Mord und Totschlag eingestellt ist? Denken wir an den Verlauf der Geschichte eines jeden Volkes: Vom Anfang bis zum heutigen Tag: Kriege über Kriege; Eroberungen, Ausbeutung. -
Die Sintflut: Warum gibt es Naturkatastrophen, die sich in letzter Zeit anhäufen? Will Gott diese Erde mitsamt dem Leben vernichten oder uns einfach unsere Grenzen aufzeigen? Oder ist der Mensch mittlerweile so weit, mit A, B, und C Waffen (atomaren, biologischen, chemischen Waffen) alles Leben auf diesem Planeten auszulöschen? Wie lange können wir noch Raubbau an diesem geliehenen Planeten treiben? -
Und der Turmbau zu Babel: Der Mensch will hoch hinaus, will zeigen, wozu er in der Lage ist: Angeben, Hochmut, Herrschen. Jetzt zum Mond, in ein paar Jahren zum Mars, wenn bis dahin unser Kartenhaus nicht zusammengestürzt ist, weil wir die Geister, die wir rufen, nicht mehr los werden. -
Allein in diesen wenigen Kapiteln des ATs Fragen über Fragen! Und Überlegungen und Gedanken, die immer wieder in jeder Generation von Neuem gedacht und beantwortet werden müssen! Vor allem die beiden Grundsatzfragen: Wie stehe ich zu Gott? Wie ist mein Verhältnis zu ihm? Und: Wie stehe ich zu meinem Mitmenschen? Wie ist meine Beziehung zu diesem oder zu jenem?
Was ist noch nennenswert im AT?
Da ist z. B. die Erzählung von Hiob, einem frommen Mann, der zunächst reich gesegnet war: Familie, Landbesitz, Tiere. Ein Mann, dem - wie wir wissen - dann alles genommen wurde. Auch wir kennen Hiobsbotschaften, Schreckensnachrichten. Dabei geht es um viele Fragen: Wie sicher ist dein Reichtum, mein Besitz? Hast du das Recht, Gott zur Rechenschaft zu ziehen, wenn es dir schlecht geht, wenn du krank bist? Kannst du Gott treu bleiben auch im Leiden, in Zeiten, in denen Du geprüft wirst? Wie stark ist dein Gottvertrauen wirklich in den schwersten Zeiten deines Lebens?
Da sind die 150 Psalmen: „Der Herr ist mein Hirte“ (Psalm 23). - „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ (Psalm 103). „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“ (Psalm 121). - Lieder und Aussagen im jüdischen Psalter, die auch in unsere Gottesdienstliturgie Einzug gehalten haben; ein Erfahrungsschatz für viele Menschen.
Ebenso wie die banale und doch so tiefe Erkenntnis im Buch des Predigers: „Alles hat seine Zeit!“
Da sind die Propheten: Jeremia, der Prophet des Leidens; von Gott auserwählt, damit er das Wort Gottes verkündigt, weil die Menschen von Gott nichts mehr wissen wollen und mehr denen Glauben schenken, die den Leuten nach ihrem Munde reden - denen also, die falsche Propheten sind - Gott sei doch immer der „liebe Gott“; es würde schon nicht so schlimm kommen! weil (so sagt das auch der Prophet Amos) nach außen hin schöne Gottesdienste zelebriert werden mit Prunk und prächtigen Gewändern, der Glaube jedoch nur ein trügerischer Schein ist - wie ein hohles Gefäß ohne Inhalt! -
Den Propheten Micha möchte ich nennen mit seiner Friedensvision: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk gegen das andere das Schwert erheben“ (Micha 4,3) - Und: Jesaja, Micha, Sacharja: Propheten, die den Heiland, den Messias, ankündigen durften: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter“ (Jesaja 9, 5). - Oder: „Und du, Bethlehem, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel der Herr sei…“ (Micha 5, 5).
Das vorletzte Beispiel aus der Fülle des ATs steht für mich im 2. Mose 20: Die 10 Gebote! Wie würde unsere Welt aussehen, würde jeder und jede unter uns wenigstens diese 10 Gebote halten und erfüllen! Zum Beispiel: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“ (Wie viel Aberglaube gibt es unter uns?) - Oder: „Gedenke des Sabbattages / Sonntages, dass du ihn heiligst!“ (Dass du über dein Verhältnis zu Gott nachdenkst! Anstatt den Sonntag mit allerlei Unternehmungen voll zu müllen! - Oder: „Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen!“ Anscheinend für jeden und jede unter uns unerfüllbar! 10 Gebote, eigentlich 10 Gebote der Freiheit und nicht der Einschränkung! Einfach auf 2 Tafeln geschrieben, jedoch so schwer zu befolgen. -
Und das letzte Beispiel, das ich erwähnen möchte, hatten wir vorhin bereits in der Lesung aus Markus 12, 28-34 gehört: Worte, die wir im NT finden, die jedoch aus dem AT übernommen sind: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften (5. Mose 6). Und das andre ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (3. Mose 19).
Liebe Gemeinde! Wir spüren, wir merken, wie stark und vielfältig unsere Verbindung zum jüdischen Glauben, zur Bibel der Juden und somit zum ganzen jüdischen Volk ist! Es schadet nicht, mal wieder im 1. Testament, im AT, nachzulesen und dann auch das 2. Testament, das NT, zur Hand zu nehmen. Dort zu studieren und nachzubuchstabieren, welche Aussagen des ATs im NT und besonders in Jesus in Erfüllung gegangen sind. Dort zu buchstabieren und zu studieren; was Jesus, der unsere Schuld, die wir vor Gott haben, am Kreuz des Karfreitag getilgt hat; der uns die Tür zum Paradies, zur ewigen Gemeinschaft mit Gott, zum Paradies, an Ostern wieder aufgeschlossen hat; was er, der Sohn Gottes, für mich und Dich und alle, die sich zu ihm bekennen, bedeutet. Gott segne alle Menschen in allen Ländern, Kontinenten und Völkern! Alle, die ihn, den Dreieinigen, von ganzem Herzen lieben und ehren! Amen.
Lied: 293, 1+2 Lobt Gott, den Herrn
Lasset uns beten:
Allmächtiger, wir danken dir für die Erschaffung des Weltalls und unseres Planeten Erde, auf dem und von dem wir leben!
Wir danken dir für das vielfältige Leben: für das Leben der Pflanzen, der Tiere und aller Menschen!
Für die Ordnungen, Grenzen und Freiheiten, die du uns durch Gesetze und Geschehnisse gegeben hast!
Für deine Gerichtsworte, die uns zum Nachdenken und zur Korrektur unseres Lebensweges bewegen sollen.
Bewahre uns vor Katastrophen und Unglück, vor Krankheiten und unwiederbringlichen Verlusten!
Schenke uns deinen Geist, damit wir den vielfältigen Sünden nicht verfallen, damit wir in gegenseitiger Achtung die Würde allen Lebens respektieren!
Schenke uns deinen göttlichen Geist, damit wir den grenzenlosen Machtgelüsten, der Angeberei und der Prahlsucht nicht verfallen!
Schenke uns deinen Geist, damit wir deine Worte und Gedanken immer wieder nachbuchstabieren, verstehen und sie in unser persönliches Leben übertragen!
Wir sagen Dank für die Ankündigung des Heilandes, der dann in unsere Welt kam, als die Zeit erfüllt war.
Mache uns bewusst, wie groß dein Geschenk ist, weil wir deine Kinder sind und somit berechtigt, in Jesus Christus das ewige Leben zu erben!
Und miteinander und füreinander beten wir weiter mit den Worten Jesu Christi: Vater unser…
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite Euch:
Er erfülle Eure Herzen; er regiere Eure Gedanken; er bestimme Euer Tun! Amen.
Mitteilungen:
Lied: 8, 1-6 (NG) Bist zu uns wie ein Vater
Segen mit 3fachem Amen
Postludium


