Gottesdienst am Sonntag Trinitatis, 15.06.2025 10:00 Uhr in Scherzheim mit Pfarrerin Ute Braun
Orgelvorspiel
Lied: Danke (EG 334,1-6)
Votum: Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Amen.)
Gruß: Der Herr sei mit euch (...und mit deinem Geist.)
Psalm: Psalm 113 in moderner Sprache (NL 956.2)
Ich habe dich angesprochen
und dich bei deinem Namen genannt.
Du bist kein fremder Gott, verflüchtigt im dunklen All.
Aus der Unendlichkeit her hast du dich den Menschen bekannt gemacht.
Darum wollen wir deinen Namen auf unseren Lippen tragen
vom ersten bis zum letzten Atemzug,
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Wir wollen dein Lob verbreiten in allen Häusern und Hütten.
Du verbindest dich mit uns Menschen.
ohne dich in uns zu verlieren.
Deine Güte reicht soweit der Himmel ist,
ohne dass sie jemals endet.
Wer gleicht dir hier auf Erden?
Der ist sein Ebenbild,
der sich um die Armen kümmert
und ihnen unter die Arme greift;
der sie aufhebt, wenn sie gefallen sind
und ihnen die Tränen trocknet.
Wer gleicht dir hier auf Erden?
Der ist dein Geschöpf,
der neues Leben schafft wie eine Mutter
und es behütet vom ersten Tag an;
der die Liebe an die erste Stelle des Lebens setzt
und Gottes Freundlichkeit ausstrahlt.
Ehre sei dem Vater...
Eingangsgebet:
Gott, du bist einer und doch drei:
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Wer soll das verstehen?
Wir würden so gerne mehr von dir erkennen.
Heute sind wir hier zusammen,
um dem auf die Spur zu kommen,
wer du bist und wie du bist.
Wir bitten: Segne dazu unser Hören und Verstehen in Christus deinem Sohn.
(Amen)
Loblied: Ich lobe meinen Gott (EG 272)
Wir taufen Kinder, weil wir durch Jesus Christus erfahren haben, dass auch Kinder zu Gott gehören. Daran erinnert uns das Kinderevangelium:
Lesung: Mk 10,13-16
Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.
Gebet:
Herr Jesus Christus,
du hast gesagt. „Lasst die Kinder zu mir kommen.“
Wir haben unsere Patenkinder zu dir gebracht, um sie in deinem Namen zu taufen. Nun bitten wir dich um deinen Segen. Behüte und bewahre sie vor den vielen Gefahren, denen sie in der Welt begegnen.
Du hast uns diese Kinder anvertraut, dafür möchten wir dir danken. Gib uns die richtigen Worte zur richtigen Zeit, damit unsere Patenkinder im Glauben und Vertrauen zu dir wachsen können. Begleite uns auf unserem Lebensweg,
hilf uns zu leben zum Wohl der Menschen und dir zu Ehren. Amen.
Taufansprache
Taufbefehl:
Jesus Christus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jünger alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Taufen und Tauferinnerung
Hauptlied: Wasser des Lebens (NL 209,1-4)
PREDIGT über Jes 6,1-8
Wie ist Gott?
So fragen manchmal Kinder!
Kann man ihn sehen? Wie sieht er aus? Kann man ihn hören? Hast du ihn schon mal gehört? Gab es ihn wirklich mal? Lebt er heute noch?
Und wir Erwachsene versuchen dann all diese vielen Fragen der Kinder zu beantworten – so dass sie es verstehen – so dass es ihnen aber auch ein Bild von Gott vermittelt, das sie irgendwie anspricht und das auch irgendwie zu unseren Vorstellungen von Gott passt.
Da kommen dann so Antworten zustande wie: Gott ist jemand, der auf uns Acht gibt und mit uns mitgeht. Er hat die Welt gemacht. Er wohnt im Himmel und schaut von dort auf die Erde. Er ist wie ein guter Freund. Er hat uns lieb.
Und viele ähnliche Bezeichnungen und Umschreibungen…
Wie ist Gott?
Vielleicht ist es Ihnen bei diesen Beispielen ähnlich ergangen, dass Sie dachten: das sind eigentlich die Bilder, die Ihnen auch am nächsten stehen – die am besten ausdrücken, wie Sie Gott gern verstehen möchten.
Allerdings wissen Sie in der Regel, dass es ganz so einfach nicht ist.
Manchmal ist Gott einfach ganz anders! Dann verstehen wir ihn nicht, begreifen sein Handeln nicht. Was wir mit ihm erfahren oder meinen, mit ihm zu erfahren, passt manchmal so gar nicht zu den schönen Bildern und Umschreibungen, die wir von ihm hatten.
Ja, manchmal scheint Gott völlig anders zu sein und sich unserem Verstehen und all unseren Vorstellungen einfach zu entziehen…
Und dann fragen wir wie die Kinder: Wie ist Gott? Wie sieht er aus? Wo wohnt er? Lebt er heute auch noch? Und mit all diesen Fragen drücken wir eigentlich nichts anderes aus als die Sehnsucht: Gott sehen und verstehen zu können…
Doch leider wurde den meisten von uns dieser Wunsch noch nicht erfüllt…
Von dem Propheten Jesaja aber wird erzählt, dass er Gott gesehen hat – und er war ganz anders, als sich das Jesaja wohl vorgestellt hat…
1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel. 2 Seraphim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie.
3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!
4 Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauch.
5 Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.
6 Da flog einer der Seraphim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, 7 und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.
8 Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!
Jesaja sieht Gott – und was er da sieht, ist überwältigend. Ein hoher Thron – ein Königsmantel, dessen Saum den ganzen Tempel ausfüllt. Um Gott her fliegen Engelwesen – und selbst sie scheinen Gottes Herrlichkeit nicht direkt anschauen zu können – mit zweien ihrer sechs Flügel halten sie sich nämlich die Augen zu. Sie singen von Gottes Heiligkeit. Und ihr Gesang lässt den Tempel beben und der ganze Raum ist von Rauch erfüllt.
Jesaja spürt, wie klein und ohnmächtig er angesichts dieser Gottheit ist – unwürdig, so bezeichnet er sich selbst.
Und doch schlägt ihn diese Erscheinung so in seinen Bann, dass er sich ganz in den Dienst dieses Gottes stellt. Er wird ein Prophet Gottes – und das wird sein ganzes Leben verändern und auch das seiner Familie. Jesaja wird sein Leben lang einen Gott verkünden, der sein Volk begleitet aber auch richtet. Er wird vieles am eigenen Leib erfahren, wo er Gottes Macht und seine eigene Ohnmacht zu spüren bekommt.
Natürlich sind es alte Vorstellungen von Gott, die hier beschrieben werden. Vorstellungen, die uns heute fremd sind – und doch spiegeln sie wider, wie wir Gott manches Mal auch empfinden: als zu groß und zu mächtig, als dass wir ihn begreifen und fassen könnten. In vielen seiner Handlungen auch für uns unverständlich. Eben ganz anders – und manchmal eben auch so, dass er sich unserem Verstehen ganz entzieht…
Wie ist Gott?
3000 Jahre nach Jesaja haben wir noch viele andere Texte und Bilder, die uns Gott beschreiben. Jesus hat uns wohl in seinen Erzählungen die meisten Bilder gegeben, wie wir Gott verstehen können und auch wollen. Jesus brachte uns Gott als den liebenden Vater nahe. Als einen treuen und verlässlichen Wegbegleiter. Als einen Gott, der uns annimmt und liebt – der uns nahekommt, in seinem Sohn.
Aber auch unter den Bildern, die Jesus uns von seinem Vater gibt, gibt es Vorstellungen, die wir nicht verstehen. Auch er kennt einen richtenden Gott – einen der Macht hat Leben zu nehmen und zu geben.
Er kennt auch einen ohnmächtigen Gott – der sich ganz aufgibt, um für uns Menschen da zu sein.
Beides – der mächtige und der ohnmächtige Gott – ist für uns schwer zu verstehen. Und damit sind ja die Umschreibungen Gottes noch nicht am Ende.
Heute feiern wir Trinitatis – hören davon, dass wir an einen „dreieinigen“ Gott glauben. Vater, Sohn und Heiliger Geist… drei und doch einer… wie soll man sich das nur vorstellen? Drei Seiten Gottes? Drei Dimensionen? Seit fast 2 Jahrtausenden versuchen Philosophen und Theologen Gott zu beschreiben – all das, was in der Bibel über ihn zu lesen ist, zu einem Bild von Gott zusammen zu fügen – und das, was dabei herausgekommen ist, ist ebenso schwer zu verstehen, wie Gott selbst.
Wie ist Gott?
Durch Jesus wurden wir dazu aufgefordert, Gott vor allem als den zu verstehen, der uns liebt. Als einen Gott, der uns zugewandt ist und an uns persönlich interessiert ist. Ein vergebender und mitgehender Gott. Diese Bilder tun uns gut, stärken uns oder trösten uns manches Mal auch.
Wir haben auch das Bild von Gott als eine Kraft in uns – ein Geist, der uns lehrt, aufrichtet und stärkt (die Konfis haben das vor einigen Wochen ganz eindrücklich vorgestellt) – auch das tut uns gut, auch wenn es schon schwerer zu verstehen ist.
Wir brauchen auch das Bild des Gottes, der Leben schenkt und bewahrt – so wie wir es immer wieder erfahren können, wenn ein Kind im Leib seiner Mutter wie ein Wunder heranwächst und als kleine Persönlichkeit zur Welt kommt. Und wenn dieses Kind dazu noch gesund auf die Welt kommen darf und zu einem glücklichen Menschen heranwächst, dann ist auch das bis heute noch ein Wunder.
Aber eben: manchmal erfahren wir Gott auch als den, der sich unserem Verstehen entzieht. Mal mächtig mal ohnmächtig – mal greift er ein, mal nicht.
Mal erscheint er uns als der, der handelt und sichtbar Wunder wirkt – auch heute noch – mal scheint er uns verborgen zu sein – so als hätte er sich zurückgezogen von uns und unserer Welt.
Wie ist Gott?
Jesaja sagt: er ist so groß, dass der Tempel noch nicht mal den Saum seines Mantels fassen kann.
Jesus sagt: er ist der Vater, der uns nah ist – und in unserem Herzen wohnen will. Also gar nicht mal so groß.
Gott ist beides und nochmal ganz anders.
Und je nachdem, was wir Menschen erleben, brauchen wir eine andere Seite oder Erscheinungsweise dieses Gottes.
Wenn wir uns angesichts der aktuellen Situation in unserer Welt hilflos, ja ohnmächtig fühlen, dann brauchen wir den Gott, der so mächtig ist, dass er für Recht und Ordnung sorgen kann.
Wenn wir Menschen haben, um die wir uns sorgen – die eigenen Kinder oder Enkel vielleicht – oder andere Menschen, die uns am Herz liegen, dann brauchen wir den Gott, der uns hört und seine Hand schützend über uns hält.
Wenn wir selbst Leid erfahren, dann tut uns die Zusage Gott, dass Gott unser Leiden kennt und mitträgt.
Wenn wir vor Dankbarkeit und Glück laut singen wollen – dann freuen wir uns an dem Gott, der uns das Leben geschenkt hat.
Wenn wir Menschen hergeben müssen, dann suchen wir den Gott, der Macht hat aus dem Tod ins Leben zu rufen.
Ich bin sicher, Sie könnten diese Beispiele noch beliebig erweitern…
Ihnen allen aber ist gemeinsam – dass dieser Gott, so unverständlich er uns manchmal ist – ein Gott ist, der zu uns steht und uns liebt – so wie es Jesus immer wieder betont hat.
Es ist derselbe Gott, der in Jesaja einen Menschen losschickt, um seinem Volk, das ihm am Herzen liegt, ins Gewissen zu reden.
Und es ist derselbe Gott, der bis heute durch seinen Geist unter uns wirkt – und uns, wenn wir offen dafür sind, so begegnet, wie wir ihn gerade am meisten brauchen. Amen.
Predigtlied: Brunn alles Heils (EG 140,1-5)
Fürbittengebet:
Guter Gott, Geheimnis des Lebens
Du bist unser Vater, Schöpfer der Welt, Richter alles Lebendigen.
Wir bitten dich für Menschen, die ohne Rücksicht auf andere und ohne Verantwortung für die Welt leben und handeln.
Wir bitten dich für Menschen, die ihre Stellung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausnutzen, um über andere Macht zu haben.
Wir bitten dich für Menschen, die sich anmaßen über Tod und Leben zu entscheiden – über die Zukunft der Welt und des menschlichen Lebens.
Verändere ihren Sinn, dass sie erkennen, welches Geschenk das Leben und die Schöpfung ist.
Du bist unser Bruder, Befreier und Erlöser,
wir bitten dich für Menschen, die Gewalt erleiden in ihrem Land, in ihren Familien.
Wir bitten dich für Menschen, die niedergedrückt werden von der Gesellschaft, dem Arbeitsmarkt, den Anforderungen unserer Zeit.
Wir bitten dich für Menschen, die mit ihrem Leben nicht zu Recht kommen – für Alte, die sich nutzlos fühlen; für Jugendliche, die ihren Platz noch nicht gefunden haben, für Kinder, die misshandelt werden und sich allein nicht zu helfen wissen.
Sei du ihnen allen ein Bruder, der befreit, Fesseln löst und neue Wege öffnet.
Du bist der Geist, der uns Kraft schenkt und Trost.
Wir bitten dich für alle Einsamen und Kranken.
Für alle, die sich nach Halt und Hilfe sehnen.
Für alle Arbeitslosen und Hoffnungslose.
Wir bitten dich für Menschen, die festgelegt sind in ihren Vorstellungen, denen die Liebe und der Mut zum Leben fehlen.
Wir bitten dich für die Traurigen und Trauernden.
Sei ihnen nahe mit deinem Trost –schenke Ihnen Mut und Kraft zum Leben.
Wir beten miteinander und füreinander:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Abkündigungen
Schlusslied: Ins Wasser fällt ein Stein (EG 648,1-3)
Segen
Gott du bist innen und außen und um mich herum…
So segne uns alle Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
(Amen, Amen, Amen)
Orgelnachspiel


