Gottesdienst am Weissen Sonntag, 27.04.25

 
Gottesdienst am Weissen Sonntag,  27.04.2025  10:00 Uhr in Lichtenau mit Pfarrer i.R. Norbert Unkrich
 
 
Wenn Sie an unserem Gottesdienst nicht teilnehmen können, haben Sie hier die Möglichkeit dennoch mit unserer Gottesdienstgemeinschaft verbunden zu sein. (Gerne dürfen Sie diesen Gottesdienst auch  ausdrucken und weitergeben. Bitte nutzen Sie dafür die Druckfunktion Ihres Browsers.)
 
Praeludium
 
Herzlich willkommen, liebe Gemeinde, zu unserem Gottesdienst am heutigen 1. Sonntag nach Ostern, dem ursprünglichen Taufsonntag! Ihnen allen wünsche ich einen guten Sonntag!
 
Die meisten der hier Anwesenden sind getauft. Welche Bedeutung hat die Taufe für Sie alle? Ist uns bewusst, dass die Taufe mehr ist als die dankbare Freude über die Geburt eines Kindes? Dass sie mehr ist als ein schönes Familienfest? Dass sie mit der Auferstehung Jesu Christi zusammenhängt? Dass sie wie eine zweite Geburt sein will, weil die erste Geburt unweigerlich zum Tod führt, unsere Taufgeburt uns jedoch hineinnimmt in eine Gemeinschaft mit Gott, die bis in alle Ewigkeit bestehen soll?! - Lasst uns heute über unsere Taufe nochmals nachdenken!
 
Lied: EG 100, 1-4     Wir wollen alle
 
Votum und Gruß
 
Wechselpsalm:  957 (NG)   177.2 Ehr sei dem
 
Wir wollen beten:
Herr Jesus Christus, du bist als der Auferstandene zu deinen Jüngern gekommen, hast sie gestärkt und getröstet, froh gemacht und zu deinem Dienst beauftragt.
Sei auch bei uns und überall dort, wo Menschen sich in deinem Namen zusammenfinden, um Gottesdienste zu feiern. Stärke besonders die, die es heimlich und unter Gefahren tun müssen, die wegen ihres christlichen Glaubens sogar den Tod zu fürchten haben. Lass uns im Besonderen heute deine frohe und befreiende Botschaft hören, dass du uns durch unsere Taufe die Tür zum ewigen Heil aufgeschlossen hast, zur ewigen Gemeinschaft in dir. So stärke und tröste auch uns, mache auch uns froh und beauftrage uns zum Dienst an deinem Evangelium! Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich!   (Kyrie)
 
Gott hat sich unser erbarmt, wie wir im Galaterbrief lesen dürfen: „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“. Ehre sei Gott in der Höhe!   (Gloria)
 
Lied: 99        Christ ist erstanden
 
Barmherziger Gott, die Auferstehung Jesu Christi erfüllt uns mit großer Freude. Lass Jesus Christus auch in unseren Herzen auferstehen, damit diese Freude in uns allen lebendig wird und lebendig bleibt; damit diese Freude unser Leben in deinem Sinne verändert und ausstrahlt in unsere vom Tod bedrohte Welt. Dies bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.         Amen.
 
Lesung:         Johannes 20, 19-29
 
Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich!  Halleluja!
 
Glaubensbekenntnis
 
Lied: 559, 1-5         O herrlicher Tag
 
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herren Jesus Christus. Amen.
 
Predigttext: 1. Petrus 1, 3-9
 
Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige und segne unser Hören durch deinen Hl. Geist. Amen.
 
Liebe Gemeinde!
 
„Ich fühle mich wie neu geboren!“
-      nach einem erfrischenden Bad
-      Nach einem erholsamen Schlaf
-      Nach einer bestandenen Prüfung
-      Nach einer guten Nachricht
-      Nach einer überraschenden Begegnung
-      Erfrischt und zu neuen Taten bereit, gestärkt und beflügelt! - Wie neu geboren!
 
Von einem solchen „Neugeboren-Sein“ spricht auch unser heutiger Text. Auch dieses Wieder-geboren-Sein hängt mit einem Bad zusammen, dem Bad der Taufe. Schade, dass wir dieses Taufbad der ersten Christen, bei dem der ganze Mensch dreimal untergetaucht wurde, nicht mehr am eigenen Leid erfahren. Denn wer als ein Erwachsener bei seiner Taufe - in manchen Ländern und Kirchen ist dies ja heute noch der Fall - ganz untergetaucht wurde, kann dieses Gefühl „wieder geboren zu sein“ viel besser nachempfinden als derjenige, dem nur ein paar Wassertropfen auf die Stirn geträufelt wurden.
 
Dieses Wieder-geboren-Sein, von dem unser Text spricht, hat seinen Ursprung folglich in der Taufe, und die Taufe wiederum in der Auferstehung Jesu Christi. Ursprünglich waren somit „Sterben“ und „Auferstehen“ in der damaligen Taufpraxis augenfällig. Ein Täufling wurde ganz untergetaucht. Das bedeutet; So würdest du im Meer des Lebens untergehen, sterben, wenn Christus nicht auferstanden wäre! Danach wurde der Täufling (ob ein Kind oder Erwachsener) aus dem Wasser heraus gehoben, heraus gerettet.
 
Hinzu kommt, dass Christus seinen Jüngern den Auftrag gegeben hat, in alle Welt zu gehen und alle Völker zu Jüngern (zu Nachfolgern Jesu) zu machen - verbunden mit der Aussicht, wer glaubt und wer getauft wird, der wird selig werden!
Wir sind folglich auf den Namen des auferstandenen Christus getauft. Er gibt uns Anteil an dem neuen Leben, das wir besonders an Ostern feiern. Ein neues Leben - befreit von Schuld, befreit vom Tod! Wir sind als NachfolgerInnen dieses Christus tatsächlich neu geboren! Aus dieser Verbindung - Taufverbindung - können wir neue Lebenskraft, neuen Lebensmut schöpfen. Die Taufe will uns somit eine Kraftquelle sein für unser ganzes Leben - selbst dann, wenn dieses Leben vom Tod bedroht ist!
 
Der Schreiber des 1. Petrusbriefes spricht denen, die seinen Brief lesen bzw. Davon hören, darum Mut zu. Das gilt auch für uns heute! Denn die LeserInnen seines Briefes lebten in einer Zeit, in der Christen verfolgt wurden. Sie mussten jederzeit damit rechnen, wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt, benachteiligt, verspottet, getötet zu werden.
 
Das haben wir heute in unserem Land in diesem Ausmaß so nicht zu befürchten. Uns lähmen und entmutigen ganz andere Dinge: Naturkatastrophen, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnöte, Verrohung der Menschen, Zerstörung und Ausbeutung unserer Umwelt. - Auch hierbei will der heutige Text uns Mut machen. Denn er redet von einer lebendigen Hoffnung, die auch menschliche Fehler und Ideenlosigkeit überwinden kann.
 
Wir alle wissen, dass ein Mensch ohne Hoffnung nicht leben kann. Wir alle hoffen darum auf irgend etwas - gleichgültig, was dies im Einzelnen auch sein mag. Die Hoffnung beflügelt uns, schenkt uns Phantasie, gibt uns Ausdauer und bewirkt, dass wir Rückschläge und Misserfolge leichter ertragen. Jeder und jede hat seine und ihre eigenen Hoffnungen, und das ist gut so. Doch die Hoffnung von uns Christen ist eine besondere und zugleich eine begründete Hoffnung! Denn auf uns wartet ein Erbe, das uns jetzt schon reich und zuversichtlich macht! Durch unsere Taufe sind wir Kinder Gottes! Und dadurch sind wir testamentarisch erklärte Erben! Das heißt: Durch unsere Taufe haben wir Anteil am ewigen Leben, an der ewigen Gemeinschaft mit Gott! Christus hat dieses Erbe für uns verwahrt, hat es durch seinen Tod und durch seine Auferstehung für uns bereit gestellt. Durch unsere Taufe steht es uns zu. Wir können dieses Erbe bereits jetzt beleihen; das heißt: wir können bereits jetzt aus dieser Verbindung leben!
 
Ich stelle mir dies sehr konkret vor: Durch ein Verwandtschaftsverhältnis oder durch ein besonderes Vertrauensverhältnis wird irgendjemand zum Erben erklärt. Noch steht die endgültige Verkündung des Erbes aus. Doch Gott hat es in Jesus Christus für uns aufbewahrt. Wir wissen: weil wir getauft sind und Christus glauben steht uns dieses Erbe zu! Mit dieser Sicherheit im Rücken können wir unser Leben planen und gestalten! Was uns einmal ganz gehören wird, das wirkt sich für uns bereits jetzt aus! So leben und verhalten sich Christen durch ihren Glauben und ihre Hoffnung! Man spürt es ihnen an! Sie sind kreditwürdig, weil sie Gottes Vertrauen genießen. Sie können ihre Ängste überwinden, weil sie wissen, dass ihr Erbe stärker ist als jegliche Bedrohung, stärker als Schuld, Leid und Tod! Sie können sich darum auch verstärkt einsetzen für ein christlich geprägtes Leben: für Frieden und Gerechtigkeit, für Demut und Barmherzigkeit! Denn in solchen Menschen wirken die Macht und der Geist Gottes!
 
Gott tritt selbst dafür ein, dass wir neu geboren werden: Er hat Christus auferweckt und macht uns zu Erben seiner Herrlichkeit! Weil er an uns glaubt, macht er uns zu Glaubenden! Weil er uns vertraut, können und dürfen wir ihm vertrauen! - Wir wissen, dass uns neue Kräfte zuwachsen, wenn ein anderer Mensch uns vertraut, uns etwas zutraut! Wie viel mehr gilt dies, wenn Gott uns mit seiner Liebe und Hoffnung berührt! - Dies alles konzentriert sich in dem Geschehen der Taufe!
 
Wir brauchen dies: Diese Glaubenssicherheit, diese Glaubensgewissheit, um in unserem Leben bestehen zu können. Alles Schwere und Belastende und was uns im einzelnen zu schaffen macht, könnte so schwer wiegen, dass wir unseren Glauben über Bord werfen. Es könnte aber auch dazu führen, dass wir gerade im Bezug auf unser Gottvertrauen noch zuversichtlicher werden. Manche Menschen, die sehr viel in ihrem Leben erlitten und durchgemacht haben, wissen mehr von dieser tragenden Kraft Gottes als diejenigen, die kaum Not kennen. Unser Glaube gewinnt an Tiefgang und Stärke, wenn er sich im persönlichen Leid und in den Herausforderungen des Lebens zu bewähren hat!
 
Der Schreiber des 1. Petrusbriefes spricht darum vom „Läuterungsprozess“ des Lebens: Wie ich in den Krisenzeiten meines Lebens erst erkenne, ob meine Freunde auch wirklich meine Freunde sind, so kann ich in den schwersten Zeiten meines Lebens feststellen, wie stark, wie geläutert mein Glaube wirklich ist. Trägt mein Glaube auch dann, wenn ich Niederlagen erleide und große gesundheitlichen Einschränkungen? Wenn mein Zweifel überhand wird und viele Menschen sich von Gott abwenden? Doch wenn mir bewusst wird, welche Versprechen, welche Zusagen Gott mir in meiner Taufe gegeben hat, dann kann und darf dies zur wirklich tragenden Kraft werden! Erst dadurch wird die Schlacke aus meinem Leben heraus geschmolzen. Erst dadurch zeigt sich glänzendes Gold, wie der Verfasser sich hier in seinem Brief bildlich ausdrückt.
 
Die Leser und Hörer dieses Petrusbriefes waren keine Osterzeugen. Das heißt: Sie hatten Jesus nicht selbst gesehen. Dennoch konnten sie an ihn glauben und ihm vertrauen. - Auch wir haben Jesus nicht von Angesicht hat zu Angesicht gesehen. Dennoch können auch wir unsere feste Zuversicht darauf setzen, dass Jesus lebt und sein Geist mitten unter uns wirkt. Wer das vermag, der hat Anlass zu wirklicher Freude!
 
Wenn wir all dies bedenken, dann können wir verstehen, warum die Osterzeit als Freudenzeit bezeichnet und gefeiert wird! Dann können wir auch verstehen, warum am 1. Sonntag nach Ostern unsere Vorfahren im Glauben getauft wurden. Als äußeres Zeichen trugen sie weiße Kleider. Weiß als Farbe der Unschuld, der Reinwaschung und der Festlichkeit. Denn jeder sollte sehen, dass sie wieder geboren sind, weil sie alles, was sie von Gott trennt, abgelegt und Christus angezogen haben! Sicher kamen in ihrem Alltag auch wieder Zeiten der Bewährung. Aber in jeder neuen Osterzeit wurden sie an ihre Taufe erinnert: Christus, der Auferstandene, will zu dir kommen! Dann wird deine Freude vollkommen sein! Jetzt bist du noch unterwegs im Leben und im Glauben. Aber einmal kommst du ans Ziel! Diese Zusage der Erbschaft ist dir durch die Taufe gegeben! Du bist und bleibst ein Kind Gottes! Dir steht das Erbe seiner Herrlichkeit zu!  Amen.
 
Lied:  213, 1-3 (NG)          Wenn Glaube bei uns einzieht
 
Lasst uns beten:
Herr, unser Gott! Wir sind froh und dankbar darüber, dass wir durch die Taufe eine unzerstörbare Verbindung zu dir erhalten haben. Lass uns daran immer festhalten. Schenke, dass unser Leben, ja das Leben aller Getauften, eine Antwort sein kann auf das, was du an Ostern vollbracht hast. Gib, dass wir deinen Christus herauslassen aus dem Grab, das unser Unglaube, unser Zweifel, unsere Gleichgültigkeit ihm immer wieder bereitet und womit wir seine Auferstehung leugnen. Begleite uns an allen Tagen unseres Lebens mit der getrosten Zuversicht, dass du stärker bist als alles, was uns Angst machen kann. Denn Christus lebt und ist auch für uns in der heutigen Zeit da!
 
Lass das überzeugend sichtbar werden in unserem ganzen Verhalten. Lass das aufleuchten darin, dass wir freundlich und ehrlich sein können, dass wir Geduld und Demut aufbringen, dass wir uns gegenseitig trösten und aufbauen. Wir wissen, dass du auch denen, die fest an dich glauben möchten, Leid und Traurigkeit, Zweifel und schwere Zeiten nicht ersparst. Aber sie alle dürfen mit dir rechnen und dich in ihre Bedrängnisse hereinrufen.
 
Für alle, die dich nicht kennen oder sich von dir losgesagt haben, beten wir stellvertretend. Wir bitten dich für alle Menschen, die an den Rändern des Lebens stehen: am Rand der Gesellschaft, am Rand des Wohlstands, am Rand der Freiheit, am Rand der Sicherheit. Wir beten für alle, denen vor der Zukunft graut.
 
Herr, wir denken auch an die, die unter Krankheit und Tod, unter Krieg und Willkür zu leiden haben. Die einsam und unglücklich, verzweifelt und müde sind. Denn Christus, dein Sohn, ist auch für sie gestorben und auferstanden.
 
(Fürbitten)
 
Und miteinander und füreinander beten wir, wie uns Jesus Christus zu beten gelehrt hat:
Vater unser im Himmel…
 
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, begleite euch: Er erfülle eure Herzen, er regiere eure Gedanken, er bestimme euer Tun. Amen.
 
Mitteilungen
 
Lied: 610, 1-3         Herr, wir bitten: Komm
 
Segen mit 3fachem Amen
 
Postludium